Lenis Traumwelt
Leni sitzt mit ihrem leuchtenden Traumstern und ihren Tierfreunden in einem warm funkelnden kleinen Nachtzug, der durch ein mondhelles Kinderzimmer und weiche Traumwolken fährt.

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Leni und der Nachtzug der kleinen Träume

Leni lag schon in ihrem Bett.

Ihr Zimmer war dunkelblau und warm. Die kleine Lampe auf dem Nachttisch leuchtete nur noch ganz schwach, als hätte sie selbst schon müde Augen. Draußen stand der Mond über den Dächern. Er war rund und freundlich und schob sein Licht durch die Vorhänge.

Leni zog die Decke bis zum Kinn.

Neben ihrem Kissen lag der Traumstern. Er leuchtete heute nicht hell. Er glomm nur weich, goldgelb und ein bisschen rosa, so wie der Himmel manchmal kurz vor dem Schlafen in Lenis Gedanken aussah.

„Gute Nacht, Traumstern“, flüsterte Leni.

Da hörte sie ein Geräusch.

Tuff.

Ganz leise.

Tuff.

Noch einmal.

Leni blinzelte. Das Geräusch kam nicht vom Fenster. Es kam auch nicht aus dem Flur. Es kam von unter ihrem Bett.

Tuff-tuff.

Dann ein sehr vorsichtiges Kling.

Leni hob die Decke ein kleines Stück an. Unter dem Bett war es sonst immer dunkel. Heute aber lag dort ein schmaler goldener Streifen. Er sah aus wie eine winzige Schiene aus Mondlicht.

Auf dieser Schiene stand ein kleiner Zug.

Er war nicht größer als Lenis Puppenwagen. Seine Räder waren rund wie Knöpfe. Sein Dach war aus samtigem Nachtblau. In den Fenstern brannten warme Lichter. Vorn auf der Lok saß eine winzige Laterne, die einen Stern in ihrem Bauch trug.

Aus dem ersten Wagen stieg jemand aus.

Es war ein kleiner Zugführer mit einer Mütze aus dunkelblauem Filz. Sein Bart sah aus wie ein weicher Pinselstrich. Er verbeugte sich so tief, dass seine Mütze fast auf die Schiene rutschte.

„Guten Abend, Leni“, sagte er. „Ich bin Nuri vom Nachtzug der kleinen Träume.“

Leni setzte sich langsam auf. „Ein Nachtzug unter meinem Bett?“

„Nur heute“, sagte Nuri. „Und nur, weil dein Traumstern uns den Weg gezeigt hat.“

Der Traumstern blinkte einmal zufrieden.

Da klopfte es am Fenster.

Tipp.

Tipp.

Tipp.

Luna, der kleine Sternenhase, schaute herein. Hinter ihm flatterte Pipo, der leuchtende Vogel. Fina, der Fuchs, sprang lautlos auf den Teppich. Bruno, der Bär, winkte von draußen so vorsichtig, dass nicht einmal der Vorhang wackelte. Auf Lunas Rücken saß die kleine Maus und hielt eine winzige Fahrkarte zwischen den Pfoten.

„Wir haben alle eine Einladung bekommen“, flüsterte Luna.

„Für eine Fahrt mit Schlafabstand“, piepste die Maus.

Pipo legte den Kopf schief. „Ich weiß nicht genau, was Schlafabstand ist. Aber es klingt sehr ordentlich.“

Nuri seufzte.

Es war ein so kleiner Seufzer, dass er fast in der Teppichkante hängen blieb.

„Der Nachtzug fährt jede Nacht durch die Kinderzimmer“, erklärte er. „Wir bringen kleine Träume zu den Kindern, die gerade einschlafen. Manche Träume sind aus warmen Farben. Manche aus Liedern. Manche aus Bildern, die man morgen noch ein bisschen im Herzen spürt.“

„Das klingt schön“, sagte Leni.

„Es ist schön“, sagte Nuri. „Aber heute hat unsere Lok ihr Gute-Nacht-Signal verloren.“

Bruno beugte sich zum Fenster herein. „Ist ein Signal nicht sehr laut?“

Nuri nickte ernst. „Genau das ist das Problem. Früher machte unsere Lok nur ein weiches Huuu, so leise wie ein Atemzug. Damit wussten alle Träume: Einsteigen, bitte. Aber seit heute klingt sie so.“

Er zog an einer kleinen Schnur.

Die Lok machte:

TRÖÖÖT!

Leni hielt sich erschrocken die Ohren zu. Pipo flatterte fast gegen den Lampenschirm. Luna zog die Ohren über die Augen. Bruno sagte: „Oh.“ Die kleine Maus verlor beinahe ihre Fahrkarte.

Zum Glück war das Geräusch nur in der Traumwelt laut. Mama und Papa hörten es nicht. Aber Lenis Teddy sah trotzdem ein bisschen überrascht aus.

„Damit wecken wir jedes Kind“, sagte Nuri traurig. „Und ein Nachtzug, der Kinder weckt, ist kein guter Nachtzug.“

Leni sah die kleine Lok an. Sie stand ganz still auf der Schiene und wirkte, als würde sie sich schämen.

„Vielleicht braucht sie ein neues leises Signal“, sagte Leni.

„Aber wo findet man so etwas?“, fragte Fina.

Die kleine Maus räusperte sich. „Leise Dinge findet man dort, wo niemand sie übersieht.“

Luna schnupperte. „Im Zimmer gibt es viele leise Dinge.“

Der Traumstern wurde wärmer.

Da begann die Mondschiene zu wachsen. Sie rollte unter dem Bett hervor, kringelte sich über den Teppich und führte bis zur Kommode. Dann weiter zum Fenster. Dann einmal um den Stuhl, auf dem Lenis Pullover lag.

Der kleine Zug wurde größer, gerade groß genug für Leni und ihre Freunde. Die Türen öffneten sich mit einem sanften Pfff.

„Einsteigen, bitte“, sagte Nuri. „Aber ohne Tröte.“

Leni nahm den Traumstern und kletterte in den ersten Wagen. Luna setzte sich neben sie. Fina rollte ihren Schweif ordentlich um die Pfoten. Pipo nahm am Fenster Platz. Bruno passte in den letzten Wagen, der sofort ein bisschen gemütlicher aussah. Die kleine Maus setzte sich auf Nuris Schulter und prüfte die Fahrkarten.

„Alle gültig“, sagte sie. „Sogar Brunos. Ein bisschen angeknabbert, aber gültig.“

Der Zug setzte sich in Bewegung.

Tuff.

Tuff.

Tuff.

Er fuhr nicht schnell. Er glitt über den Teppich, als wäre der Teppich eine weiche Wiese. Vor dem Stuhl hielt er an.

„Erste Haltestelle“, flüsterte Nuri. „Pulloverberg.“

Lenis Pullover lag über der Stuhllehne. Am Tag war er einfach ein Pullover. In dieser Nacht war er ein kleiner Berg aus warmem Stoff. Zwischen den Ärmeln schlief ein winziger Traum. Er sah aus wie ein roter Punkt mit einer Mütze.

„Der Traum wartet auf ein Signal“, sagte Nuri. „Aber bitte nicht das laute.“

Leni lauschte.

Der Pullover raschelte kaum hörbar.

Schhh.

Es war ein gemütliches Geräusch. So klang Stoff, wenn er am Abend bereit war, wieder ordentlich gefaltet zu werden.

„Das nehmen wir“, sagte Leni.

Der Traumstern leuchtete auf. Ein Faden aus warmem Schhh löste sich aus dem Pullover und schwebte zur Lok. Dort legte er sich um die kleine Laterne.

Die Lok atmete aus.

Schhh.

Nicht schlecht.

Der rote Traum mit der Mütze hüpfte in den zweiten Wagen.

„Weiter“, sagte Nuri.

Der Zug fuhr zum Nachttisch. Dort stand Lenis Wasserglas. Darin funkelte ein winziges Mondstück. Daneben lag ein Taschentuch, ordentlich gefaltet, als wäre es ein kleines weißes Haus.

„Zweite Haltestelle“, flüsterte die Maus. „Glaslicht.“

Im Wasserglas machte das Mondstück ein leises:

Pling.

Nicht wie eine Glocke. Mehr wie ein Tropfen, der sich freut, dass er rund ist.

Pipo legte den Schnabel an den Rand des Glases. „Das ist ein sehr kleiner Ton“, sagte er.

„Genau richtig“, sagte Leni.

Der Traumstern fing das Pling auf. Es wurde zu einem silbernen Funken und flog zur Lok. Dort setzte es sich neben das Schhh.

Die Lok probierte:

Schhh-pling.

Der Zug wackelte zufrieden.

Aus dem Taschentuchhaus kam ein blauer Traum. Er war so weich, dass er fast durchsichtig aussah. Luna half ihm in den Wagen.

„Dritte Haltestelle“, sagte Nuri, „Teddys Ecke.“

Teddy saß am Kopfende von Lenis Bett. Er war natürlich ein ganz normaler Teddy. Aber in der Traumwelt hatte er eine kleine Schlafmütze auf. Er nickte Leni zu, ohne richtig wach zu werden.

Neben Teddy lag ein gelber Traum, der nicht einsteigen wollte.

„Ich bin noch nicht fertig“, murmelte der Traum.

„Womit?“, fragte Leni.

„Mit dem Tag“, sagte der Traum. „Leni hat heute gelacht, gemalt, geklettert und Kakao getrunken. Ich muss alles sortieren, damit es ein schöner Traum wird.“

Leni dachte nach. Der Tag war wirklich voll gewesen. Vielleicht war es manchmal schwer, aus einem ganzen Tag eine ruhige Nacht zu machen.

„Du musst nicht alles auf einmal mitnehmen“, sagte sie. „Du kannst die schönsten kleinen Stücke einpacken.“

„Welche denn?“

Leni zählte an den Fingern ab. „Das Lachen beim Frühstück. Den roten Stift beim Malen. Den warmen Kakao. Und dass Papa beim Vorlesen eine lustige Stimme gemacht hat.“

Der gelbe Traum wurde heller.

Teddy machte ein leises Geräusch.

Hmmm.

Es war ein Teddygeräusch. Warm, weich und ein bisschen brummig.

„Das ist auch ein Signal“, sagte Bruno.

Der Traumstern sammelte das Hmmm ein. Die Lok bekam einen goldenen Ring um ihren kleinen Schornstein.

Jetzt klang sie:

Schhh-pling-hmmm.

Der gelbe Traum stieg ein und setzte sich neben den roten Traum mit der Mütze.

„Es wird besser“, sagte Fina.

Der Zug fuhr weiter zum Fenster. Draußen bewegte der Nachtwind die Blätter im Baum.

Nicht viel.

Nur so:

Wisch.

Wisch.

„Vierte Haltestelle“, flüsterte Luna. „Fensterwind.“

Pipo flog hinaus und kam mit einem winzigen Windkringel zurück. Er trug ihn auf den Flügeln, als wäre er aus Seide.

„Bitte sehr“, sagte er.

Der Windkringel legte sich um die Lok. Die Laterne wurde ein bisschen heller, aber nicht zu hell.

Schhh-pling-hmmm-wisch.

Nuri lächelte zum ersten Mal richtig.

„Fast“, sagte er. „Aber ein Gute-Nacht-Signal braucht noch etwas, das alle Träume verstehen.“

Leni sah auf ihren Traumstern.

„Vielleicht fehlt das, was ich immer sage.“

Sie hielt den Stern nah an ihr Herz und flüsterte: „Gute Nacht.“

Der Stern wurde warm.

Nicht heiß.

Nur so warm, dass Lenis Hände ganz ruhig wurden.

Aus den Worten stieg ein kleiner goldener Lichtbogen auf. Er schwebte zur Lok und setzte sich ganz vorn auf die Laterne. Dort wurde er zu einem winzigen Stern.

Nuri zog vorsichtig an der Schnur.

Die Lok machte:

Schhh-pling-hmmm-wisch.

Und dann, ganz am Ende:

Huuuu.

Aber nicht laut.

Es war so leise, dass man es eher im Bauch spürte als mit den Ohren hörte. Es klang nach Decke, Mondlicht, Teddy und Fensternacht.

Alle kleinen Träume im Zug wurden still.

Der rote Traum mit der Mütze kuschelte sich an den blauen Traum. Der gelbe Traum schloss die Augen. Aus Lenis Bücherregal kamen noch drei winzige Träume geschwebt: einer nach Papierduft, einer nach lila Farbe und einer nach einer Frage, die morgen weitergedacht werden wollte.

„Einsteigen, bitte“, flüsterte Nuri.

Diesmal brauchte er gar nicht laut zu sein. Die Träume verstanden es sofort.

Der Zug wurde wieder kleiner. Nicht zu klein für Leni, aber klein genug, um durch den Spalt zwischen Vorhang und Fensterlicht zu fahren. Die Mondschiene bog nach oben. Sie führte nicht in den Himmel und nicht auf die Straße. Sie führte durch die ruhige Mitte der Nacht.

Unter ihnen lag Lenis Zimmer.

Das Bett sah aus wie eine Insel aus Decken. Die Lampe war ein winziger Mond. Teddy saß am Kissenrand und passte auf. Mama und Papa waren weit weg und doch ganz nah, weil ihre Gute-Nacht-Küsse noch im Zimmer wohnten.

Der Nachtzug fuhr eine Runde über dem Teppich, am Bücherregal vorbei, um die Lampe herum und zurück zum Bett.

Schhh-pling-hmmm-wisch-huuuu.

Bei jedem Signal wurde das Zimmer weicher.

Die Schatten legten sich schlafen.

Der Stuhl knackte nicht mehr.

Das Wasserglas funkelte nur noch ein bisschen.

Sogar Pipo gähnte.

„Ich glaube, wir haben die Träume richtig eingesammelt“, sagte Leni.

Nuri nahm seine Mütze ab. „Dank dir fährt der Nachtzug wieder leise.“

„Dank uns allen“, sagte Leni.

Bruno nickte. „Und dank Teddy.“

Teddy sagte nichts. Aber sein Hmmm hing noch ein bisschen warm in der Luft.

Der Zug hielt direkt neben Lenis Kissen. Die Türen öffneten sich.

Leni stieg aus. Luna zog die Decke glatt. Fina schob den Traumstern an seinen Platz. Pipo setzte sich kurz auf den Bettpfosten. Bruno legte Teddy in Lenis Arm. Die kleine Maus stempelte die letzte Fahrkarte.

„Schlaferlaubnis erteilt“, sagte sie sehr feierlich.

Nuri verbeugte sich. „Gute Nacht, Leni. Wenn du wieder einmal Tuff unter deinem Bett hörst, dann weißt du: Der Nachtzug ist pünktlich.“

„Gute Nacht, Nuri“, flüsterte Leni.

Die Lok blinkte.

Schhh-pling-hmmm-wisch-huuuu.

Dann rollte der kleine Zug unter das Bett zurück. Die Mondschiene wurde dünner und dünner, bis sie nur noch ein goldener Faden war. Dann verschwand auch der.

Leni schloss die Augen.

In ihrem Zimmer war es still.

Aber nicht leer.

Es war eine gute Stille. Eine Stille mit Pulloverrascheln, Glaslicht, Teddybrummen, Fensterwind und einem kleinen Nachtzug, der irgendwo in der Traumwelt weiterfuhr.

Tuff.

Tuff.

Tuff.

Leni lächelte.

Vielleicht brachte der Zug gerade den roten Traum mit der Mütze zu einem Kind, das ein warmes Bild brauchte.

Vielleicht trug er den blauen Traum zu einem Baby, das leise atmete.

Vielleicht legte er den gelben Traum genau neben Lenis Herz, damit ihr voller Tag im Schlaf ganz weich wurde.

Der Traumstern leuchtete einmal.

Nur einmal.

Dann wurde auch er still.

Draußen stand der Mond über den Dächern.

Drinnen schlief Leni ein.

Ganz warm.

Ganz sicher.

Und irgendwo, sehr weit und doch ganz nah, fuhr der Nachtzug der kleinen Träume durch die Nacht.

Schhh.

Pling.

Hmmm.

Wisch.

Huuuu.

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Gute-Nacht-Geschichten für kleine Träumer

Lenis Traumwelt sammelt liebevolle Gute-Nacht-Geschichten für Kinder von etwa 2 bis 6 Jahren. Die Vorlesegeschichten sind warm, langsam und kindgerecht erzählt, damit sie gut ins Abendritual passen: zum gemeinsamen Kuscheln, zum Runterkommen nach einem langen Tag und für kleine Kinder, die vor dem Schlafen noch eine freundliche Traumreise erleben möchten.

Jede Geschichte begleitet Leni, ihren Traumstern und die Tierfreunde Luna, Fina, Pipo und Bruno auf eine ruhige Reise voller Sternenlicht, Freundschaft und sanfter Einschlafmomente. Wer gezielt stöbern möchte, findet thematische Sammlungen wie Geschichten mit Tieren, Weltreise-Geschichten und kurze Einschlafgeschichten.

Viele Erzählungen kannst du direkt auf der Seite anhören oder als EPUB und MP3 herunterladen. Gesammelt gibt es die Audio-Geschichten auf der Podcast-Seite von Lenis Traumwelt, zusätzlich auf dem YouTube-Kanal von Lenis Traumwelt und als kostenlose Ausmalbilder zum Ausdrucken.