Lenis Traumwelt
Leni steht im warmen Badezimmerlicht mit Luna, Fina, Pipo und Bruno in einem märchenhaften Zahnbürstenwald, während kleine Zahnfeen goldene Laternen an schimmernden Borstenbäumen putzen.

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Leni und die Laternen im Zahnbürstenwald

Leni und die Laternen im Zahnbürstenwald

Es war schon fast Schlafenszeit.

Leni stand im Badezimmer auf ihrem kleinen Hocker und hielt ihre Zahnbürste in der Hand. Auf dem Becher neben dem Waschbecken waren kleine Sterne gemalt. Der Wasserhahn glänzte silbern, und im Spiegel sah Leni, wie ihre Haare noch ein bisschen vom Abend zerzaust waren.

Mama drückte einen Klecks Zahnpasta auf die Bürste.

„Nur noch Zähne putzen, dann geht es ins Bett“, sagte sie freundlich.

Leni nickte. Sie mochte das Zähneputzen nicht immer gleich gern. Manchmal kitzelte der Schaum. Manchmal schmeckte die Zahnpasta zu frisch. Aber heute war sie schon sehr müde, und müde Sachen macht man am besten ganz langsam.

Also putzte Leni.

Oben.

Unten.

Vorne.

Hinten.

„Sehr gründlich“, sagte Mama.

Leni grinste mit weißem Schaummund. Das sah so lustig aus, dass sie fast lachen musste. Dann spülte sie aus, stellte die Zahnbürste in den Becher und bekam von Mama einen Kuss auf die Stirn.

„Ich lege schon dein Buch bereit“, sagte Mama. „Du kommst gleich nach?“

„Gleich“, sagte Leni.

Die Badezimmertür blieb einen Spalt offen. Im Flur brannte das kleine Abendlicht. Alles war ruhig.

Da hörte Leni ein winziges Klingeln.

Kling.

Nicht laut.

Nur so hell, als würde ein Glöckchen in einer Teetasse wohnen.

Leni schaute zum Waschbecken.

Kling.

Diesmal kam das Geräusch aus ihrem Zahnputzbecher.

„Hallo?“, flüsterte Leni.

Plötzlich wackelte ihre Zahnbürste.

Nicht viel.

Nur ein kleines bisschen.

Dann wurde der blaue Griff länger und länger. Die Borsten oben glitzerten. Der Becher wuchs wie ein runder Turm in die Höhe. Das Waschbecken wurde zu einem weißen Tal, und rundherum standen auf einmal viele Zahnbürsten wie Bäume.

Rote.

Blaue.

Gelbe.

Grüne.

Ihre Borsten waren weich wie Grasbüschel, und zwischen ihnen hingen winzige Laternen.

Leni staunte.

„Ein Wald“, flüsterte sie. „Ein Zahnbürstenwald.“

Da hüpfte etwas Weißes vom Rand des Bechers.

„Pssst, Leni.“

Es war Luna, der kleine Sternenhase. Sein Fell glitzerte heute nur ganz zart, damit niemand im Badezimmer aufwachte.

Neben ihm landete Pipo, der leuchtende Vogel, auf einem Borstenbaum. Fina, der schlaue Sternenfuchs, schlüpfte zwischen zwei Zahnpastatropfen hindurch. Und Bruno, der große gemütliche Bär, saß sehr vorsichtig auf dem Rand des Waschbeckens, weil er nicht in den Abfluss rutschen wollte.

„Ihr seid ja winzig!“, flüsterte Leni.

„Du auch“, piepste Pipo.

Leni sah an sich hinunter. Tatsächlich. Sie war nicht größer als ihre Zahnbürste.

„Warum sind wir hier?“, fragte sie.

Fina zeigte mit der Nase in den Wald.

„Die Laternen im Zahnbürstenwald leuchten heute nicht richtig.“

„Und ohne sie“, sagte Luna, „finden die kleinen Schlafgedanken nicht den Weg ins Bett.“

Bruno nickte langsam.

„Dann hüpfen sie im Kopf herum.“

Leni kannte hüpfende Gedanken. Die kamen manchmal genau dann, wenn man schlafen wollte.

„Dann helfen wir“, sagte sie.

Sie gingen in den Zahnbürstenwald hinein. Der Boden war aus weichem Handtuchmoos. Über ihnen ragten die Bürstenbäume hoch wie bunte Türme. An jedem Baum hing eine kleine Laterne aus durchsichtigem Zahnperlen-Glas.

Aber die Laternen waren trüb.

Manche leuchteten nur schwach.

Manche gar nicht.

Vor einer grünen Zahnbürste saßen drei winzige Wesen mit runden Wangen, silbernen Schürzen und kleinen Putztüchern. Sie sahen sehr besorgt aus.

„Guten Abend“, sagte Leni vorsichtig.

Das größte Wesen fuhr erschrocken herum.

„Oh! Besucher!“

„Wir möchten helfen“, sagte Leni. „Warum leuchten die Laternen nicht?“

Das Wesen seufzte.

„Ich bin Putzli, der Laternenputzer. Das sind Mina und Tuff. Wir polieren jeden Abend die Zahnperlen-Laternen, damit sie weich leuchten. Aber heute klebt überall Glitzerschaum.“

Mina hielt ihr Tuch hoch. Es war voller kleiner funkelnder Bläschen.

„Er sieht hübsch aus“, sagte sie, „aber er macht die Laternen ganz milchig.“

Tuff zeigte auf einen hohen Borstenbaum.

„Und die wichtigste Laterne, die Gute-Nacht-Laterne, ist ganz oben. Da kommen wir nicht hin.“

Leni legte den Kopf schief.

„Woher kommt der Glitzerschaum?“

Putzli schaute verlegen zu Boden.

„Von mir.“

„Oh“, sagte Luna sanft.

Putzli knetete sein Tuch.

„Ich wollte schneller fertig werden. Also habe ich einen besonders großen Tropfen Zahnpasta-Zauber genommen. Dann hat es schäum gemacht. Sehr viel schäum. Überall schäum.“

Pipo musste kichern, hielt sich aber schnell den Schnabel zu.

Putzli sah traurig aus.

„Jetzt ist der Wald trüb, und alle Schlafgedanken warten am Eingang.“

Leni hörte ein leises Gemurmel.

Zwischen zwei Borsten standen kleine flauschige Punkte. Sie sahen aus wie winzige Wattekügelchen mit Augen. Einige gähnten. Andere hüpften unruhig.

„Sind das die Schlafgedanken?“, fragte Leni.

Fina nickte.

„Sie müssen an den Laternen vorbei. Dann werden sie langsam, weich und müde.“

Ein kleiner Schlafgedanke hüpfte zu Leni.

„Ich will ins Bett“, murmelte er. „Aber ohne Licht finde ich den Weg nicht.“

Leni streichelte ihn mit einem Finger.

„Wir bringen die Laternen wieder zum Leuchten.“

Zuerst putzten sie die unteren Laternen.

Luna wischte mit seinen weichen Pfoten.

Fina polierte die Ecken, an die niemand dachte.

Pipo flatterte vor jeder Laterne und pustete den Schaum mit kleinen Windstößen weg.

Bruno hielt die trüben Laternen ganz vorsichtig fest, damit sie nicht wackelten.

Und Leni nahm ein winziges Tuch von Mina und rieb in kleinen Kreisen.

Rund.

Rund.

Rund.

Eine Laterne wurde klar.

Dann noch eine.

Dann noch eine.

Warmgoldenes Licht füllte den Wald. Die ersten Schlafgedanken hörten auf zu hüpfen. Sie gingen langsam unter den Laternen entlang.

„Mmm“, murmelte einer. „Jetzt werde ich kuschelig.“

Doch die Gute-Nacht-Laterne ganz oben blieb trüb.

Sie hing am höchsten Zahnbürstenbaum, direkt über dem Becher-Turm. Ihr Licht war nur ein grauer Punkt.

„Da müssen wir hoch“, sagte Leni.

Putzli schluckte.

„Das ist sehr hoch.“

„Dann steigen wir langsam“, sagte Bruno.

Fina entdeckte eine Zahnpastaspur, die sich wie ein weißer Weg um den Bürstenbaum wand. Luna hoppelte voraus. Pipo flog nebenher. Leni hielt sich an den weichen Borsten fest. Bruno blieb unten und passte auf.

Schritt für Schritt kletterten sie höher.

Der Wald wurde kleiner unter ihnen.

Der Spiegel sah aus wie ein silberner See.

Der Wasserhahn glänzte wie ein Mondbogen.

Oben angekommen, sah Leni die Gute-Nacht-Laterne. Sie war wunderschön, aber ganz verschmiert. Auf dem Glas klebte ein dicker Glitzerschaumstern.

Putzli, der mutig hinterhergeklettert war, schniefte.

„Das war mein Zauber.“

Leni schaute ihn freundlich an.

„Dann darfst du auch helfen, ihn wegzuputzen.“

Putzli nickte.

Gemeinsam begannen sie.

Leni wischte links.

Putzli wischte rechts.

Fina hielt das Tuch fest.

Luna zählte leise:

„Eins, zwei, ruhig sein.

Drei, vier, Licht kommt hier.

Fünf, sechs, Schaum ist weg.“

Pipo summte dazu.

Der Glitzerschaum löste sich. Erst ein bisschen. Dann immer mehr. Schließlich rutschte der dicke Schaumstern vom Glas und landete als weicher Plopp in einem Borstenbüschel.

Die Gute-Nacht-Laterne leuchtete auf.

Nicht grell.

Nicht hell wie Tag.

Sondern warm, golden und ganz weich.

Das Licht floss über den ganzen Zahnbürstenwald. Jede kleine Laterne antwortete mit einem sanften Funkeln. Die Schlafgedanken stellten sich in eine lange, ruhige Reihe.

„Jetzt finden wir den Weg“, flüsterten sie.

Einer nach dem anderen schwebten sie durch den Wald. Bei jeder Laterne wurden sie langsamer. Bei der Gute-Nacht-Laterne wurden sie so weich, dass sie aussahen wie kleine Kissen.

Dann flogen sie zum Badezimmerspiegel, durch einen goldenen Lichtbogen hindurch und hinaus in den Flur.

„Sie gehen in die Kinderzimmer“, erklärte Luna.

„Auch in meins?“, fragte Leni.

„Besonders in deins“, sagte Fina.

Putzli lächelte erleichtert.

„Danke, Leni. Danke, Freunde.“

„Und morgen nimmst du nur einen kleinen Tropfen Zauber“, sagte Bruno von unten.

Putzli nickte eifrig.

„Einen ganz kleinen. Winzig klein. Zahnbürstenwald-Ehrenwort.“

Da begann der Wald wieder zu schrumpfen. Die Bäume wurden Zahnbürsten. Die Laternen wurden Wassertropfen. Der Becher wurde wieder ein Becher.

Leni stand auf ihrem Hocker im Badezimmer.

Ihre Zahnbürste steckte ordentlich im Becher.

Aus dem Flur rief Mama leise:

„Leni? Alles gut?“

„Ja“, antwortete Leni. „Ich komme.“

Sie schaute noch einmal zum Zahnputzbecher.

An einer Borste hing ein winziger goldener Tropfen.

Er funkelte kurz.

Kling.

Leni lächelte.

Dann lief sie in ihr Zimmer. Mama hatte das Buch bereitgelegt, aber Leni gähnte schon so groß, dass Mama schmunzeln musste.

„Heute bist du aber müde.“

Leni kuschelte sich in ihr Bett.

„Die Schlafgedanken haben den Weg gefunden“, murmelte sie.

Mama strich ihr über die Haare.

„Das klingt gut.“

Das Nachtlicht leuchtete warm. Die Decke lag weich bis zu Lenis Kinn. Draußen schimmerte der Mond.

Leni dachte an den Zahnbürstenwald.

An Putzli, Mina und Tuff.

An Luna, Fina, Pipo und Bruno.

Und an die Gute-Nacht-Laterne, die nun wieder allen müden Gedanken den Weg zeigte.

Ihre Augen wurden schwer.

Ganz schwer.

Kurz bevor sie einschlief, hörte sie in ihrem Zimmer ein winziges Klingeln.

Kling.

Dann war alles ruhig.

Und Leni träumte von goldenen Laternen, die zwischen bunten Borstenbäumen leuchteten und jedem Kind zuflüsterten:

„Jetzt darfst du schlafen.

Alles ist geputzt.

Alles ist gut.“

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