Lenis Traumwelt - Geschichten zum Träumen
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Leni steht mit Oskar, Ellen und Thea an einem sonnigen Inselstrand mit vielen blauen Sonnenschirmen, einem großen Schiff im Hintergrund und einer liebevoll gebauten Sandburg im warmen Abendlicht.

ca. 14 Min. · 2.055 Wörter

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Leni und die Insel mit den blauen Schirmen

Leni stand am Fenster der Schiffskabine und drückte ihre kleine Nase fast an die Scheibe.

Draußen war das Meer ganz ruhig.

Es glitzerte blau und silbern, als hätte jemand viele kleine Lichtpunkte darauf gestreut.

Das große Weltreiseschiff brummte leise.

Brummmmmm.

Nicht laut.

Nur so, dass Leni es im Bauch spüren konnte.

Mama saß auf dem Bett und faltete Lenis Sonnenhut auseinander.

„Heute gehen wir an Land“, sagte Mama freundlich.

Leni drehte sich um.

„An Land?“

Papa nickte und zeigte durch das Fenster.

Ganz weit vorne sah man eine Insel.

Sie lag wie ein kleines grünes Kissen im Meer.

Am Rand leuchtete heller Sand.

Und überall standen kleine blaue Punkte.

„Was ist das?“, fragte Leni.

„Das sind Sonnenschirme“, sagte Papa. „Blaue Sonnenschirme.“

Leni lächelte.

„Eine Schirm-Insel.“

Mama lachte leise.

„Vielleicht sieht sie wirklich so aus.“

Nach dem Frühstück gingen sie auf das Deck.

Dort warteten schon Oskar, Ellen und Thea.

Leni hatte die drei auf dem Schiff kennengelernt.

Oskar hatte dunkle Locken und lachte oft.

Ellen hatte rote Haare, die im Wind wippten.

Thea war etwas kleiner und hielt gern ihre kleine Muscheltasche fest.

„Leni!“, rief Oskar und winkte.

„Wir fahren heute zur Insel!“

„Zu den blauen Schirmen“, sagte Leni stolz.

Ellen stellte sich auf die Zehenspitzen und schaute über das Geländer.

„Ich sehe sie schon. Ganz viele.“

Thea hielt ihre Muscheltasche an die Brust.

„Vielleicht wohnen darunter kleine Schatten.“

„Oder kleine Strandmäuse“, sagte Oskar.

Leni kicherte.

„Oder Sandburgkönige.“

Das Schiff legte langsam am Hafen an.

Ein kleines Boot brachte die Familien an den Strand.

Das Boot schaukelte sanft.

Hoch.

Runter.

Hoch.

Runter.

Leni saß zwischen Mama und Papa.

Der Wind roch nach Salz, Sonne und ein bisschen nach warmem Holz.

Möwen flogen über ihnen.

„Kiaaa“, rief eine Möwe.

„Hallo, Möwe“, flüsterte Thea.

Dann war das Boot am Steg.

Alle stiegen vorsichtig aus.

Der Sand war hell und weich.

Leni setzte einen Fuß hinein.

„Oh“, sagte sie.

Der Sand kitzelte zwischen ihren Zehen.

Oskar hüpfte daneben.

„Der Sand ist warm.“

Ellen breitete die Arme aus.

„Und der Himmel ist riesengroß.“

Überall standen blaue Sonnenschirme.

Kleine Schirme.

Große Schirme.

Schirme mit runden Spitzen.

Schirme mit flatternden Bändern.

Wenn der Wind kam, wackelten sie sanft.

Wipp.

Wapp.

Wipp.

Wapp.

Es sah aus, als nickten die Schirme den Kindern freundlich zu.

Mama legte eine Decke in den Schatten.

Papa stellte die Wasserflaschen daneben.

„Wir bleiben hier in der Nähe“, sagte Mama. „Ihr könnt dort vorne im Sand spielen.“

„Nicht zu weit weg“, sagte Papa.

„Nicht zu weit weg“, wiederholte Leni.

Oskar, Ellen, Thea und Leni liefen ein paar Schritte zum Wasser.

Das Meer rollte kleine Wellen an den Strand.

Schschsch.

Schschsch.

Jede Welle kam, begrüßte den Sand und ging wieder zurück.

„Wir bauen eine Sandburg“, sagte Oskar.

„Eine große“, sagte Ellen.

„Mit Muscheltür“, sagte Thea.

„Und blauen Schirm-Türmen“, sagte Leni.

Sie begannen sofort.

Oskar füllte einen Eimer mit Sand.

Ellen holte kleine Muscheln.

Thea suchte glatte Steinchen.

Leni machte mit beiden Händen einen Hügel und klopfte ihn vorsichtig fest.

Patsch.

Patsch.

Patsch.

Die Sandburg wurde größer.

Erst war sie nur ein kleiner Berg.

Dann bekam sie einen Turm.

Dann noch einen.

Dann einen kleinen Weg.

Und dann eine Tür aus einer runden Muschel.

„Da kann ein winziger Gast hineingehen“, sagte Thea.

„Wer denn?“, fragte Oskar.

„Vielleicht ein Strandkäfer“, sagte Ellen.

Leni schaute sich um.

Da entdeckte sie hinter einem blauen Sonnenschirm ein Kind.

Es saß allein im Sand.

Das Kind hatte einen gelben Sonnenhut auf und hielt eine kleine rote Schaufel in der Hand.

Es schaute zu Lenis Sandburg.

Aber es kam nicht näher.

Leni winkte vorsichtig.

Das Kind winkte ganz klein zurück.

„Da sitzt jemand“, sagte Leni leise.

Oskar sah hin.

„Vielleicht möchte er mitbauen.“

„Vielleicht traut er sich nicht“, sagte Ellen.

Thea zog ihre Muscheltasche ein bisschen höher.

„Dann fragen wir leise.“

Die vier gingen nicht schnell.

Sie gingen langsam.

So langsam, dass niemand erschrecken musste.

Vor dem Kind blieben sie stehen.

„Hallo“, sagte Leni.

Das Kind schaute auf seine rote Schaufel.

„Hallo“, sagte es sehr leise.

„Ich bin Leni. Das ist Oskar. Das ist Ellen. Und das ist Thea.“

Oskar winkte.

Ellen lächelte.

Thea sagte: „Hallo.“

Das Kind schaute kurz hoch.

„Ich heiße Sami.“

„Hallo, Sami“, sagte Leni.

Dann war es einen Moment still.

Nur das Meer machte schschsch.

Und die Schirme machten wipp wapp.

Leni zeigte zur Sandburg.

„Wir bauen eine Burg. Magst du mitbauen?“

Sami drückte seine rote Schaufel fest.

„Ich weiß nicht.“

„Das ist okay“, sagte Ellen.

„Du musst nicht“, sagte Thea.

Oskar hockte sich in den Sand.

„Du kannst auch erst schauen.“

Sami schaute zur Burg.

„Ich kann keine großen Türme.“

„Ich auch nicht immer“, sagte Leni.

„Meine fallen manchmal um.“

Oskar nickte ernst.

„Meine auch. Dann machen sie plumps.“

„Plumps“, wiederholte Thea und musste kichern.

Sami lächelte ein ganz kleines Lächeln.

„Ich kann aber Wege machen.“

„Wege brauchen wir“, sagte Ellen sofort.

„Eine Burg ohne Wege weiß nicht, wohin sie gucken soll.“

Das fand Leni sehr richtig.

„Komm“, sagte sie. „Du kannst den besten Weg machen.“

Sami stand langsam auf.

Er ging mit ihnen zur Sandburg.

Dort hockte er sich an die Seite und zog mit seiner roten Schaufel eine Linie in den Sand.

Ganz vorsichtig.

Nicht zu tief.

Nicht zu flach.

Ein Weg entstand.

Er führte von der Muscheltür bis zum Wasser.

„Das ist ein Meeresweg“, sagte Sami.

„Für kleine Boote“, sagte Leni.

„Für Muschelboote“, sagte Thea.

„Für winzige Urlauber“, sagte Oskar.

Alle lachten.

Sami lachte auch.

Nicht laut.

Aber richtig.

Dann bauten sie weiter.

Die Burg bekam eine Mauer.

Die Mauer bekam Muscheln.

Die Muscheln glänzten weiß, rosa und hellbraun.

Ellen fand ein Stück Treibholz.

„Das ist der Fahnenmast.“

Oskar steckte ein kleines blaues Blatt daran.

„Jetzt hat die Burg eine blaue Fahne.“

Thea legte Steinchen wie Sterne um den Eingang.

„Das ist der Begrüßungsweg.“

Leni stellte ihren kleinen blauen Trinkbecher umgedreht in den Sand und hob ihn vorsichtig wieder hoch.

Ein neuer Turm blieb stehen.

„Juhu“, rief sie leise.

Sami klatschte in die Hände.

„Der ist schön.“

Dann kam eine Welle.

Sie war ein bisschen größer als die anderen.

Schschschsch.

Das Wasser kam näher.

Und näher.

Und näher.

„Oh“, sagte Thea.

Die Welle berührte den Meeresweg.

Sie nahm ein paar Sandkrümel mit.

Dann ging sie zurück.

Der Weg war fast weg.

Sami schaute erschrocken.

„Mein Weg!“

Leni sah, wie Samis Mund traurig wurde.

Sie setzte sich neben ihn.

„Die Welle wollte ihn nur anschauen“, sagte sie.

Oskar kratzte sich am Kopf.

„Aber sie hat ihn mitgenommen.“

Ellen schaute auf das Meer.

„Vielleicht brauchen wir einen neuen Weg. Einen, der nicht wegläuft.“

Thea öffnete ihre Muscheltasche.

„Wir können Muscheln hinlegen.“

Sami sah sie an.

„Einen Muschelweg?“

„Ja“, sagte Leni. „Dann sieht die Welle ihn und sagt: Oh, wie schön.“

Sami überlegte.

Dann nickte er.

Gemeinsam suchten sie Muscheln.

Nicht die scharfen.

Nur die glatten.

Nicht die ganz kleinen, die man kaum sah.

Nur die, die gut in Kinderhände passten.

Sie legten eine Muschel neben die andere.

Von der Burg zum Wasser.

Als die nächste Welle kam, berührte sie die ersten Muscheln.

Schschsch.

Die Muscheln blieben liegen.

Sami atmete auf.

„Der Weg bleibt.“

„Er bleibt und glänzt“, sagte Ellen.

Die Sonne stand nun tiefer.

Das Licht wurde weich und golden.

Die blauen Sonnenschirme warfen runde Schatten auf den Sand.

Unter einem Schirm schlief ein Baby in einem Kinderwagen.

Unter einem anderen las ein Opa ein Buch.

Am Rand des Strandes verkaufte eine Frau kleine Fruchtstücke in bunten Schalen.

Alles war ruhig.

Urlaubsruhig.

Mama kam zu den Kindern.

„Das ist aber eine wunderschöne Burg.“

Papa machte ein Foto.

„Mit richtigem Muschelweg.“

Sami versteckte sich ein bisschen hinter seinem gelben Hut.

Aber er lächelte.

„Ich habe den Weg gemacht.“

„Einen sehr guten Weg“, sagte Mama.

Da kam Samis Papa dazu.

„Sami, da bist du ja. Hast du neue Freunde gefunden?“

Sami nickte.

„Leni. Oskar. Ellen. Thea.“

Er zeigte auf jedes Kind.

Dann zeigte er auf die Sandburg.

„Und wir haben eine Inselburg gebaut.“

„Eine Inselburg mit blauem Schirm-Turm“, sagte Oskar.

Denn inzwischen hatte Ellen einen kleinen blauen Papierschirm aus ihrer Trinkflasche gefunden.

Sie steckte ihn ganz oben in den höchsten Turm.

Nun sah die Burg aus, als hätte sie selbst einen Sonnenschirm.

Leni fand das wunderbar.

„Damit die Burg keinen Sonnenbrand bekommt“, sagte sie.

Alle mussten lachen.

Sogar Samis Papa.

Dann setzten sich die Kinder auf die Decke.

Mama gab jedem ein Stück Melone.

Die Melone war kühl und süß.

Leni biss hinein.

Mmmmh.

Der Saft tropfte fast auf ihr Kinn.

Thea hielt ihr ein Tuch hin.

„Danke“, sagte Leni.

Oskar zeigte zum Schiff.

Das große Weltreiseschiff lag draußen im Hafen.

Es sah ruhig und freundlich aus.

Wie ein weißes Haus auf dem Wasser.

„Da schlafen wir heute Nacht wieder“, sagte Oskar.

„Auf dem Meer“, sagte Ellen.

„Mit Wellenlied“, sagte Thea.

Leni schaute zu Sami.

„Fährst du auch mit unserem Schiff?“

Sami schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich wohne hier mit Papa für ein paar Tage im kleinen Hotel.“

Leni wurde ein bisschen still.

„Dann sehen wir uns vielleicht nicht wieder.“

Sami sah auf seine rote Schaufel.

„Vielleicht nicht.“

Das fühlte sich kurz traurig an.

Wie eine kleine Wolke vor der Sonne.

Aber dann hatte Ellen eine Idee.

„Wir können der Burg eine Erinnerung geben.“

„Was denn?“, fragte Oskar.

Thea nahm eine kleine weiße Muschel aus ihrer Tasche.

„Jeder legt etwas dazu.“

Leni suchte ein glattes Steinchen, das aussah wie ein Herz.

Oskar brachte ein winziges Stück Treibholz.

Ellen fand ein gelbes Blatt.

Thea legte ihre weiße Muschel hin.

Sami überlegte lange.

Dann nahm er eine kleine blaue Muschel, die neben seinem Fuß lag.

„Die passt zu den Schirmen“, sagte er.

Sie legten alles neben den Muschelweg.

Nicht in die Wellen.

Nur daneben.

Dorthin, wo es bleiben konnte, bis der Abend kam.

„Das ist unser Freundschaftsplatz“, sagte Leni.

Sami nickte.

„Wenn ich morgen hier bin, schaue ich nach ihm.“

„Und wir denken vom Schiff daran“, sagte Ellen.

Thea hob die Hand.

„Ganz leise.“

Oskar legte eine Hand auf den Bauch.

„Mit Melone im Bauch.“

Da lachten wieder alle.

Langsam wurde es Zeit, zurück zum Boot zu gehen.

Die Sonne war nun orange.

Der Himmel war rosa und lila.

Die blauen Schirme sahen im Abendlicht fast wie kleine Mondschirme aus.

Leni ging noch einmal zur Sandburg.

Sie hockte sich davor.

„Tschüss, Inselburg“, flüsterte sie.

Oskar sagte: „Pass gut auf den Muschelweg auf.“

Ellen sagte: „Und auf die blaue Fahne.“

Thea sagte: „Und auf den Freundschaftsplatz.“

Sami stand daneben.

Er sah nicht mehr so schüchtern aus wie am Anfang.

Er sah ein bisschen stolz aus.

„Ich passe morgen auch auf“, sagte er.

Dann umarmte er seine rote Schaufel.

Leni winkte ihm.

„Tschüss, Sami.“

„Tschüss, Leni.“

„Tschüss, Oskar.“

„Tschüss, Ellen.“

„Tschüss, Thea.“

Das Boot brachte Leni und die anderen zurück zum Schiff.

Die Wellen schaukelten wieder.

Hoch.

Runter.

Hoch.

Runter.

Leni war müde.

Eine schöne Müde.

Ihre Füße hatten Sand gesehen.

Ihre Hände hatten Muscheln getragen.

Ihr Herz hatte einen neuen Freund gefunden.

Auf dem Schiff duschte Mama den Sand von Lenis Beinen.

Papa legte den Schlafanzug bereit.

Er war weich und hatte kleine Sterne darauf.

„Heute war ein langer Tag“, sagte Papa.

„Ein Inseltag“, murmelte Leni.

Mama kämmte ihr vorsichtig die Haare.

„Was war am schönsten?“

Leni überlegte.

Das Meer war schön gewesen.

Die Schirme waren schön gewesen.

Die Melone war lecker gewesen.

Die Sandburg war groß gewesen.

Aber dann wusste sie es.

„Dass Sami mitgebaut hat.“

Mama lächelte.

„Das war wirklich schön.“

Später lag Leni in ihrem kleinen Schiffsbett.

Durch das Fenster sah sie den Himmel.

Ein Stern funkelte schon.

Das Schiff bewegte sich ganz sanft.

Kaum merkbar.

Wie eine Wiege.

Oskar, Ellen und Thea schliefen bestimmt auch bald in ihren Kabinen.

Vielleicht dachten sie an die Sandburg.

Vielleicht an den Muschelweg.

Vielleicht an Sami unter den blauen Schirmen.

Leni schloss die Augen.

In ihrem Kopf sah sie die Insel noch einmal.

Den hellen Sand.

Die wippenden Schirme.

Den gelben Sonnenhut.

Die rote Schaufel.

Und die Burg, die einen kleinen blauen Schirm trug.

Das Meer sang leise gegen das Schiff.

Schschsch.

Schschsch.

Es klang fast wie: Schlaf schön.

Schlaf schön.

Leni kuschelte sich tiefer in ihre Decke.

„Gute Nacht, Inselburg“, flüsterte sie.

„Gute Nacht, Sami.“

„Gute Nacht, Weltreiseschiff.“

Dann träumte sie von einem Muschelweg, der bis zu den Sternen führte.

Und von blauen Schirmen, die im Traum ganz leise wippten.

Wipp.

Wapp.

Wipp.

Wapp.

Bis alles still wurde.

Ganz warm.

Ganz weich.

Ganz gut.