Lenis Traumwelt
Leni sitzt mit Luna, Fina, Pipo, Bruno und der kleinen Maus nachts am warm leuchtenden Kräuterfenster, während eine winzige blaue Gießkanne sanfte Tropfen zu schläfrigen Kräutertöpfen bringt.

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Leni und das Tröpfchenfest im Kräuterfenster

Leni und das Tröpfchenfest im Kräuterfenster

Es war Abend.

Leni lag schon in ihrem Bett. Die Decke war bis zu ihrem Kinn gezogen, der Teddy lag neben ihrem Arm, und auf dem Nachttisch leuchtete der kleine Traumstern.

Draußen war es dunkel. In der Küche stand das Fensterbrett still und ruhig. Dort wohnten drei kleine Kräutertöpfe: Minze, Basilikum und Schnittlauch. Am Nachmittag hatte Leni ihnen Wasser gegeben und gesagt: „Schlaft später gut, ihr grünen Freunde.“

Jetzt wollte auch Leni schlafen.

Da hörte sie ein leises Plipp.

Dann noch eins.

Plipp.

Plopp.

Leni öffnete ein Auge.

„Teddy“, flüsterte sie, „hat bei dir gerade etwas getropft?“

Der Teddy antwortete nicht. Er sah sehr trocken aus.

Da klopfte es am Fenster.

Tipp. Tipp. Tipp.

Auf der Fensterbank saß Luna, der kleine Sternenhase. Neben ihm stand Fina, der Sternenfuchs. Pipo, der leuchtende Vogel, flatterte ganz leise in der Luft. Bruno, der große Bär, winkte draußen mit seiner warmen Tatze. Auf Lunas Rücken saß die kleine Maus und hielt einen winzigen Löffel wie einen Regenschirm.

„Guten Abend, Leni“, flüsterte Luna.

„Guten Abend“, sagte Leni. „Warum habt ihr einen Löffel dabei?“

Die kleine Maus hob ihn ernst. „Für Tropfen. Man weiß nie.“

Fina spitzte die Ohren. „Im Kräuterfenster findet heute ein Fest statt.“

„Ein sehr nasses Fest“, piepste Pipo.

Bruno nickte langsam. „Vielleicht ein bisschen zu nass.“

Leni setzte sich auf. „Dann sollten wir nachsehen.“

Sie schlüpfte in ihre Hausschuhe, nahm den Traumstern in die Hand und kletterte mit Hilfe von Luna durch das Fenster. Ein schmaler Pfad aus silbernen Tropfen führte am Haus entlang, bis zum Küchenfenster.

Die Küche schlief.

Der Tisch schlief.

Die Stühle schliefen.

Nur das Fensterbrett war wach.

Dort leuchteten die Kräutertöpfe im Mondschein. Minze raschelte müde mit ihren Blättern. Basilikum ließ den Kopf ein wenig hängen. Schnittlauch stand in dünnen Halmen da und zitterte bei jedem Tropfen.

In der Mitte hüpfte eine winzige blaue Gießkanne.

Sie hatte einen runden Bauch, eine kleine Tülle und zwei helle Augen. Aus ihrer Tülle sprangen Tropfen wie glitzernde Perlen.

„Plipp! Für die Minze! Plopp! Für Basilikum! Plupp! Für Schnittlauch!“, rief sie fröhlich.

„Hallo“, sagte Leni.

Die Gießkanne blieb erschrocken stehen. Ein Tropfen fiel auf ihre eigene Nase.

„Oh! Besuch! Ich bin Trilla. Ich mache ein Tröpfchenfest.“

„Das sieht man“, sagte die kleine Maus und stellte ihren Löffel unter einen herabfallenden Tropfen.

Minze seufzte. „Trilla meint es lieb.“

Basilikum nickte langsam. „Sehr lieb.“

Schnittlauch flüsterte: „Aber meine Füße sind schon ganz patschnass.“

Trilla schaute erschrocken auf den Topf. „Zu nass? Aber Pflanzen brauchen Wasser.“

„Ja“, sagte Fina sanft. „Aber nicht jedes Blatt braucht in jeder Minute einen neuen Tropfen.“

Trilla sah so betrübt aus, dass Leni sich neben sie setzte.

„Warum gießt du denn so viel?“

Trilla wippte auf ihrem kleinen Boden. „Heute Nachmittag hat Leni gesagt, die Kräuter sollen gut schlafen. Da dachte ich: Wenn ein Tropfen gut ist, sind viele Tropfen bestimmt noch besser.“

Leni lächelte. „Das klingt wie ein sehr freundlicher Gedanke.“

„Aber ein schwerer für die Wurzeln“, brummte Bruno.

Unter dem Basilikumtopf machte es leise quatsch.

Trilla hielt die Tülle zu. „Oh nein. Ich wollte kein Quatsch machen.“

Pipo landete auf dem Rand des Minztopfes. „Vielleicht brauchen wir kein großes Fest. Vielleicht brauchen wir eine Tropfenrunde.“

„Eine was?“, fragte Trilla.

Die kleine Maus trat vor. „Eine ordentliche Tropfenrunde. Jeder bekommt, was er wirklich braucht. Nicht mehr. Nicht weniger. Sehr vornehm.“

Luna schnupperte an der Erde. „Minze riecht frisch, aber die Erde ist oben noch ein bisschen durstig.“

Fina legte den Kopf schief. „Basilikum hat genug. Er braucht eher ein weiches Blattabklopfen.“

Bruno schaute zu Schnittlauch. „Und Schnittlauch braucht eine trockene Pause.“

Trilla wurde ganz still.

„Aber woher weiß ich, was genug ist?“

Leni streckte einen Finger aus und berührte vorsichtig die Erde im Minztopf. Sie war kühl. Dann berührte sie die Erde bei Basilikum. Die war nass. Bei Schnittlauch blieb sogar ein winziger Tropfen an ihrem Finger hängen.

„Man kann fragen“, sagte Leni. „Und fühlen. Und schauen.“

„Ich kann auch lauschen“, sagte Pipo.

Er legte den Kopf an den Minztopf.

„Minze sagt: Zwei kleine Tropfen bitte.“

Minze raschelte zustimmend.

Trilla atmete tief ein. „Nur zwei?“

„Nur zwei“, sagte Leni.

Trilla hob ihre Tülle. Der erste Tropfen wackelte. Er wollte schon springen.

„Langsam“, sagte Fina.

Trilla hielt inne.

Der Tropfen wurde rund und schwer. Dann fiel er ganz sanft.

Plipp.

Minze seufzte zufrieden.

Der zweite Tropfen kam.

Plipp.

Minze richtete ihre Blätter auf. „Danke. Jetzt kann ich nach kühlem Morgen duften.“

Trilla strahlte. „Nur zwei Tropfen haben gereicht?“

„Manchmal reicht genau das Richtige“, sagte Bruno.

Nun war Basilikum an der Reihe.

„Ich brauche kein Wasser mehr“, murmelte Basilikum. „Aber meine Blätter kleben vom Spritzfest.“

Die kleine Maus schwang ihren Löffel. „Abtrocknen! Endlich eine Aufgabe für feines Gerät.“

Pipo brachte ein Stückchen weiches Küchenpapier vom Tisch. Bruno hielt es mit zwei Krallen fest, und Leni tupfte damit ganz vorsichtig die Basilikumblätter ab.

Nicht reiben.

Nicht ziehen.

Nur tupfen.

Basilikum duftete warm und grün. „Ah“, sagte er. „Jetzt kann ich wieder gemütlich stehen.“

Trilla sah aufmerksam zu.

„Helfen ist nicht immer gießen“, sagte sie langsam.

„Genau“, sagte Luna. „Manchmal ist Helfen auch Tupfen.“

„Oder Warten“, flüsterte Schnittlauch.

Alle schauten zu ihm.

Schnittlauch stand in seinem Topf, dünn und tapfer. Um seine Halme glänzten kleine Wasserperlen.

„Ich bin nicht böse“, sagte er zu Trilla. „Aber ich möchte jetzt trockene Ruhe.“

Trilla senkte die Tülle. „Ich gieße dich nicht.“

„Sehr gut“, sagte die kleine Maus.

„Was mache ich dann?“, fragte Trilla.

Leni überlegte. Dann nahm sie den kleinen Traumstern und stellte ihn neben Schnittlauch. Sein warmes Licht fiel auf die feuchte Erde.

„Wir passen einfach auf, bis die Tropfen still werden.“

Das taten sie.

Niemand rief.

Niemand hüpfte.

Pipo faltete die Flügel. Fina legte ihren Schwanz um ihre Pfoten. Luna setzte sich neben Trilla. Bruno lehnte sich an den Fensterrahmen, aber nur ganz vorsichtig. Die kleine Maus hielt den Löffel bereit, falls ein Tropfen zu weit kullerte.

Nach einer Weile wurden die Wasserperlen kleiner.

Schnittlauch zitterte nicht mehr.

„So ist es gut“, flüsterte er.

Trilla lächelte. „Warten fühlt sich erst an, als würde man nichts tun. Aber es tut doch etwas.“

„Es gibt den Dingen Zeit“, sagte Leni.

Da öffnete sich zwischen den Kräutertöpfen eine winzige Blüte. Sie war so klein, dass Leni sie fast übersehen hätte. Sie leuchtete nicht hell. Nur ein bisschen.

„Das ist die Danke-Blüte“, erklärte Luna. „Sie wächst, wenn jemand lernt, gut zu sorgen.“

Trilla wurde ganz rosa um die Augen, obwohl sie blau war.

„Darf ich noch ein kleines Fest machen? Ein trockenes?“

Fina lächelte. „Was gehört zu einem trockenen Tröpfchenfest?“

Trilla dachte nach.

„Ein Tropfenlied ohne Tropfen.“

Pipo war sofort bereit. Er sang ganz leise:

„Plipp im Herzen, plopp im Sinn, gut ist, was genug kann sein.“

Das reimte sich nicht ganz, aber es klang freundlich.

Minze raschelte dazu.

Basilikum duftete dazu.

Schnittlauch stand ganz gerade dazu.

Bruno summte so tief, dass das Fensterbrett gemütlich vibrierte. Die kleine Maus klopfte mit dem Löffel einen winzigen Takt auf ihre Pfote.

Leni musste gähnen.

Trilla sah es sofort. „Du brauchst Schlaf.“

„Ein bisschen“, gab Leni zu.

Trilla nahm einen letzten Tropfen aus ihrem Bauch. Sie ließ ihn nicht fallen. Sie hielt ihn auf ihrer Tülle, rund und klar wie eine kleine Glaskugel.

„Der ist für dich“, sagte sie. „Kein Wassertropfen. Ein Erinnertröpfchen. Es sagt: Erst schauen, dann helfen.“

Leni nahm den Tropfen vorsichtig auf die Fingerspitze. Er wurde zu einem winzigen kühlen Punkt und verschwand nicht ganz. Er fühlte sich an wie ein kleines Versprechen.

„Danke, Trilla.“

Die Kräuter flüsterten: „Gute Nacht.“

Minze träumte von Morgenluft.

Basilikum träumte von warmer Suppe.

Schnittlauch träumte von trockenen, freundlichen Füßen.

Luna führte Leni zurück über den silbernen Tropfenpfad. Fina ging neben ihr. Pipo leuchtete voran. Bruno passte auf, dass niemand rutschte. Die kleine Maus trug ihren Löffel wie eine Königin.

In Lenis Zimmer war alles still.

Fina strich die Decke glatt. Pipo setzte den Traumstern auf den Nachttisch. Bruno legte den Teddy in Lenis Arm. Luna zog die Decke bis zu Lenis Kinn. Die kleine Maus stellte den Löffel nicht auf Lenis Fensterbank, weil er ihr eigener Löffel war. Aber sie verbeugte sich sehr höflich damit.

„Gute Nacht, Leni“, flüsterte Luna.

„Gute Nacht“, murmelte Leni.

Sie dachte an Trilla.

An zwei Tropfen für die Minze.

An Tupfen für Basilikum.

An Warten für Schnittlauch.

Und an die kleine Danke-Blüte im Kräuterfenster.

Draußen leuchtete der Mond.

In der Küche schliefen die Kräuter.

Und Trilla, die kleine blaue Gießkanne, stand ganz still zwischen den Töpfen und träumte von einem Fest, bei dem alle genau so viel bekamen, wie sie brauchten.

Leni lächelte müde.

Dann wurde alles weich.

Ganz weich.

Ganz ruhig.

Ganz gute Nacht.

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Gute-Nacht-Geschichten für kleine Träumer

Lenis Traumwelt sammelt liebevolle Gute-Nacht-Geschichten für Kinder von etwa 2 bis 6 Jahren. Die Vorlesegeschichten sind warm, langsam und kindgerecht erzählt, damit sie gut ins Abendritual passen: zum gemeinsamen Kuscheln, zum Runterkommen nach einem langen Tag und für kleine Kinder, die vor dem Schlafen noch eine freundliche Traumreise erleben möchten.

Jede Geschichte begleitet Leni, ihren Traumstern und die Tierfreunde Luna, Fina, Pipo und Bruno auf eine ruhige Reise voller Sternenlicht, Freundschaft und sanfter Einschlafmomente. Wer gezielt stöbern möchte, findet thematische Sammlungen wie Geschichten mit Tieren, Weltreise-Geschichten und kurze Einschlafgeschichten.

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