Lenis Traumwelt - Geschichten zum Träumen
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Leni sitzt mit ihrem leuchtenden Traumstern, Luna, Fina, Pipo und Bruno in einem weichen Kissenboot auf einem funkelnden Sternensee.

ca. 18 Min. · 2.752 Wörter

Leni und das Kissenboot auf dem Sternensee

Am Abend lag Leni schon in ihrem Bett.

Ihr Zimmer war warm und ruhig. Die kleine Lampe auf dem Nachttisch leuchtete so weich, dass die Schatten an der Wand ganz freundlich aussahen. Draußen vor dem Fenster war der Himmel dunkelblau. Ein paar Sterne blinkten. Der Mond schaute wie ein rundes, helles Gesicht zwischen zwei Wolken hervor.

Leni hatte ihre Decke bis zum Kinn gezogen. Neben ihrem Kissen lag ihr kleiner Traumstern. Er war weich. Er war warm. Und er funkelte ganz leise, als hätte jemand winzige goldene Punkte in ihn hineingelegt.

„Gute Nacht, Traumstern“, flüsterte Leni.

Der Traumstern antwortete nicht mit Worten. Das tat er nie. Aber er leuchtete einmal gelb, einmal silbern und dann ganz sanft blau.

Leni blinzelte.

Sie kannte dieses Leuchten. Wenn der Traumstern so leuchtete, dann war irgendwo in der Nacht etwas Kleines passiert. Etwas, das keine lauten Schritte brauchte. Etwas, das eine liebe Hand, ein warmes Herz und ein bisschen Sternenmut brauchte.

Da machte es am Fenster:

Tipp. Tipp. Tipp.

Leni setzte sich auf. „Wer ist da?“, fragte sie leise.

Vor dem Fenster wackelten zwei lange Ohren. Dann schob Luna, der Hase, seine Nase durch den kleinen Spalt.

„Pssst“, flüsterte Luna. „Ich bin es. Und die anderen sind auch da.“

Pipo, der Vogel, flatterte hinter Luna herein. Er landete auf der Bettkante und schüttelte seine kleinen Flügel. Sie glitzerten blau wie ein Stück Nachthimmel.

„Hallo, Leni“, piepste er. „Heute fliegen wir nicht hoch zu den Sternen. Heute fahren wir.“

„Fahren?“, fragte Leni.

Da sprang Fina, der Fuchs, elegant auf den Teppich. Ihr roter Schweif war buschig und weich, und an der Spitze glomm ein winziger Sternenfunke.

„Ja“, sagte Fina. „Auf dem Sternensee wartet ein kleines Boot.“

Von draußen brummte eine tiefe, freundliche Stimme. „Ein sehr weiches Boot“, sagte Bruno, der Bär.

Leni kletterte ans Fenster und sah hinaus. Bruno stand unten im Garten. Er winkte mit seiner großen Tatze. In seiner anderen Tatze hielt er einen kleinen Schal aus Mondwolle.

„Warum braucht ein Boot Hilfe?“, fragte Leni.

Luna legte den Kopf schief. „Es ist ein Kissenboot. Es bringt müde Traumtiere über den Sternensee nach Hause. Aber heute Abend liegt es ganz still am Ufer und traut sich nicht loszufahren.“

Pipo nickte eifrig. „Und ohne das Kissenboot kommen die Traumtiere nicht in ihre Schlafnester.“

„Dann sind sie morgen müde“, sagte Bruno von draußen.

„Und kleine Traumtiere brauchen ihren Schlaf“, fügte Fina hinzu.

Leni nahm ihren Traumstern in beide Hände. Er wurde ein bisschen wärmer, als hätte er schon verstanden.

„Dann helfen wir dem Kissenboot“, sagte Leni.

Luna lächelte. „Ich wusste, dass du das sagst.“

Der Traumstern leuchtete hell auf. Silberne Funken tanzten um Lenis Bett. Sie wurden größer und runder, bis sie wie kleine Seifenblasen aussahen. Eine Blase berührte Lenis Decke, eine andere Pipos Flügel, eine dritte Finas Schweif. Unten im Garten kringelte sich Sternenglanz um Brunos Tatzen.

Ganz langsam wurde Lenis Zimmer weich wie eine Wolke. Die Wände rückten ein Stück zur Seite. Der Teppich wurde zu einem schimmernden Pfad. Und vor dem Fenster öffnete sich die Nacht wie ein Vorhang.

Leni stieg auf den Sternenpfad. Luna hüpfte neben ihr her. Fina lief leichtfüßig voraus. Pipo flatterte über ihnen. Bruno trottete hinterher und achtete darauf, dass niemand zurückblieb.

Der Weg führte nicht nach oben und nicht nach unten. Er führte durch die ruhige Mitte der Nacht.

Auf beiden Seiten wuchsen Mondblumen. Ihre Blüten waren rund und weiß, und wenn der Wind darüberstrich, klangen sie wie ein ganz leises Summen. Kleine Glühwürmchen trugen winzige Laternen. In einem Busch schlief ein Traumigel zusammengerollt wie eine Kugel. Auf einem Ast saß eine Eule mit einer Schlafmütze und zwinkerte Leni freundlich zu.

„Guten Abend“, flüsterte die Eule.

„Guten Abend“, flüsterte Leni zurück.

Bald hörten sie ein sanftes Plätschern.

Plitsch. Platsch. Plitsch.

Vor ihnen lag der Sternensee.

Er war groß und ruhig. Das Wasser war dunkelblau, aber darin funkelten viele kleine Lichter. Sie sahen aus wie Sterne, die vom Himmel heruntergefallen waren und nun im Wasser badeten. Am Ufer standen weiche Schilfhalme aus Silber. Jede Spitze trug einen kleinen Tropfen Mondlicht.

Leni blieb staunend stehen.

„Wie schön“, sagte sie.

„Das ist der Sternensee“, erklärte Luna. „Hier schlafen die Spiegelsterne im Wasser.“

Pipo flog einmal über den See und kam wieder zurück. „Ganz still heute“, piepste er. „Fast zu still.“

Da entdeckte Fina das Kissenboot.

Es lag am Ufer, halb im Wasser und halb auf dem weichen Sternensand. Es war wirklich ein Kissenboot. Sein Bauch sah aus wie ein großes, rundes Kuschelkissen. Der Rand war aus hellem Wolkenstoff. Kleine goldene Sterne waren darauf gestickt. Vorn am Boot hing eine winzige Glocke, die aber nicht klingelte. In der Mitte lag ein kleines Segel, zusammengefaltet wie eine müde Decke.

Das Boot seufzte.

„Oh je“, sagte Bruno. „Ein Boot, das seufzt, braucht bestimmt eine Pause.“

Leni ging vorsichtig näher. „Hallo, Kissenboot“, sagte sie leise. „Wir sind gekommen, um dir zu helfen.“

Das Kissenboot wackelte kaum sichtbar. „Hallo“, murmelte es. Seine Stimme klang, als käme sie aus einem sehr weichen Kissen. „Ihr seid lieb. Aber ich kann heute nicht fahren.“

„Warum nicht?“, fragte Luna.

Das Kissenboot seufzte noch einmal. „Ich habe meine Schaukelwelle verloren.“

Leni setzte sich in den Sternensand. „Was ist eine Schaukelwelle?“

„Ohne Schaukelwelle kann ich die Traumtiere nicht sanft über den See tragen“, erklärte das Kissenboot. „Ich würde nur still im Wasser liegen. Oder viel zu holperig fahren. Aber ein Kissenboot darf nicht holpern. Es muss schaukeln. Ganz sanft. So: wieg, wieg, wieg.“

Bei den Worten bewegte es sich ein winziges Stück. Aber dann blieb es wieder liegen.

„Vielleicht ist die Schaukelwelle weggelaufen“, sagte Pipo.

„Wellen laufen nicht“, meinte Fina.

„Vielleicht hüpfen sie?“, fragte Luna.

Bruno kratzte sich am Kopf. „Vielleicht hat sie sich versteckt. Wenn ich müde bin, verstecke ich mich manchmal auch unter meiner Decke.“

Das Kissenboot machte ein kleines trauriges Geräusch. „Ich wollte nur kurz ausruhen. Dann kam ein Silberwind über den See. Er pustete und kitzelte mein Segel. Ich musste lachen. Dabei fiel meine Schaukelwelle aus dem Boot und kullerte irgendwo ins Wasser. Seitdem kann ich nicht mehr richtig fahren.“

Leni schaute auf den See. Die Sterne spiegelten sich darin, aber die Oberfläche war so glatt wie ein Tuch.

„Wir suchen deine Schaukelwelle“, sagte Leni.

Der Traumstern in ihren Händen blinkte einmal hell.

„Er findet Sachen gut“, sagte Luna. „Vor allem, wenn sie leuchten.“

„Und wir helfen alle“, sagte Fina.

Pipo flog los und schaute von oben auf den See. „Ich sehe viele Sterne! Ich sehe ein schlafendes Seerosenblatt! Ich sehe Brunos Spiegelbild!“

Bruno beugte sich über das Wasser. Sein Spiegelbild beugte sich auch. „Hallo, Spiegel-Bruno“, brummte Bruno.

Das Spiegelbild brummte natürlich nicht zurück. Aber es sah freundlich aus.

Luna hüpfte am Ufer entlang und schnupperte. „Hier riecht es nach Mondgras. Hier riecht es nach Wasser. Und hier riecht es nach... Kuscheldecke.“

„Kuscheldecke?“, fragte Leni.

„Das muss vom Kissenboot sein“, sagte Luna.

Fina lief zwischen den silbernen Schilfhalmen hindurch. Sie war sehr vorsichtig, damit kein Halm umknickte. „Ich suche nach etwas Rundem“, sagte sie. „Eine Welle, die aus einem Boot kullert, muss vielleicht rund sein.“

Da rief Pipo von oben: „Da hinten bewegt sich etwas!“

Alle schauten zur Mitte des Sees.

Dort war ein kleines Licht. Es war nicht wie ein Stern. Es war auch nicht wie ein Glühwürmchen. Es war ein schimmernder, weicher Bogen, der im Wasser hin und her wippte.

„Das könnte die Schaukelwelle sein“, sagte Leni.

„Aber sie ist mitten im See“, sagte Luna.

„Dann müssen wir mitten in den See“, sagte Bruno.

Das Kissenboot erschrak. „Aber ich kann doch nicht fahren.“

Leni legte ihren Traumstern vorsichtig auf das Kissenboot. Der Stern lächelte, obwohl er gar keinen Mund haben musste. Sein Licht floss langsam in den weichen Stoff.

„Vielleicht musst du nicht sofort ganz alleine fahren“, sagte Leni. „Vielleicht fangen wir zusammen ganz klein an.“

Das Kissenboot lauschte.

„Zusammen?“, fragte es.

„Ja“, sagte Leni. „Luna kann vorne sitzen und aufpassen. Fina kann das Segel halten. Pipo kann den Weg zeigen. Bruno kann das Boot sanft anschieben. Und ich halte den Traumstern.“

Bruno nickte. „Ich schiebe ganz vorsichtig. Bärenvorsichtig.“

„Bärenvorsichtig ist sehr vorsichtig“, sagte Pipo.

Also stiegen sie ein.

Luna hüpfte nach vorn und setzte sich auf ein kleines Wolkenkissen. Fina stellte sich neben das zusammengefaltete Segel und löste die Schleife. Pipo landete auf dem Rand des Bootes. Bruno legte seine großen Tatzen ans Heck. Leni setzte sich in die Mitte und nahm den Traumstern wieder in die Arme.

„Bereit?“, fragte Bruno.

„Bereit“, flüsterten alle.

Bruno schob.

Ganz sanft.

Das Kissenboot rutschte vom Sternensand ins Wasser.

Pluff.

Es schwamm.

Erst wackelte es ein wenig. Luna hielt die Ohren fest. Pipo breitete die Flügel aus. Fina hielt das Segel gerade. Leni drückte den Traumstern an sich.

Dann wurde das Wackeln ruhiger.

„Wieg“, flüsterte Leni.

Das Boot bewegte sich.

„Wieg“, sagte Luna.

Das Boot schaukelte noch ein bisschen weicher.

„Wieg“, piepste Pipo.

Das Segel hob sich.

„Wieg“, sagte Fina.

Ein kleiner Silberwind kam und pustete ganz sanft hinein.

„Wieg“, brummte Bruno vom Ufer.

Und plötzlich glitt das Kissenboot über den Sternensee.

Nicht schnell. Nicht wild. Ganz ruhig. So ruhig, dass Leni fast selbst gähnen musste.

Sie fuhren auf das kleine Licht in der Mitte des Sees zu. Das Wasser glitzerte um sie herum. Unter dem Boot schwammen winzige Sternenfische. Sie hatten runde Augen und lange Schlafmützen aus Algen. Einer winkte mit der Flosse.

„Gute Fahrt“, blubberte er.

„Danke“, flüsterte Leni.

Als sie näherkamen, sahen sie die Schaukelwelle genau.

Sie war klein und rund wie ein schimmernder Halbkreis. Sie hatte zwei winzige Wasserbäckchen und sah sehr müde aus. Sie wippte allein auf und ab.

„Hallo, Schaukelwelle“, sagte Leni.

Die Schaukelwelle machte ein leises Plitsch. „Hallo.“

„Das Kissenboot sucht dich“, sagte Luna.

„Ich weiß“, murmelte die Schaukelwelle. „Ich wollte zurück. Aber ich bin so weit hinausgewippt. Und dann wusste ich nicht mehr, wie ich heimkomme.“

Das Kissenboot schluckte leise. „Ich dachte, du wärst böse auf mich, weil ich so gelacht habe, als der Silberwind mich gekitzelt hat.“

„Nein“, sagte die Schaukelwelle. „Ich war nicht böse. Ich habe auch gelacht. Dabei bin ich hinausgepurzelt.“

Fina lächelte. „Dann war es ein Kitzelunfall.“

Pipo kicherte. „Ein Wellen-Kitzel-Kuller-Unfall.“

Sogar das Kissenboot musste ein bisschen lachen. Und als es lachte, schaukelte es wieder etwas schöner.

Leni streckte den Traumstern zur Schaukelwelle. „Komm, wir bringen dich zurück.“

Die Schaukelwelle legte sich vorsichtig an den Rand des Bootes. Der Traumstern leuchtete golden. Dann floss die kleine Welle wie ein weiches Band unter den Bauch des Kissenbootes.

Auf einmal machte das Boot:

Wieg. Wieg. Wieg.

Ganz von allein.

„Oh“, sagte das Kissenboot glücklich. „Da bist du ja.“

„Da bin ich“, flüsterte die Schaukelwelle.

Das Segel richtete sich auf. Die kleine Glocke vorn am Boot klang einmal ganz leise.

Kling.

Nicht laut. Nur so laut, dass eine schlafende Blume davon lächeln konnte.

Vom anderen Ufer kam ein Rascheln.

Dort warteten die Traumtiere.

Ein Traumlämmchen mit lockiger Wolkenwolle stand neben einer kleinen Traumschildkröte. Ein Traumfuchs hatte seine Nase auf die Pfoten gelegt. Drei Traumkäfer saßen in einer Reihe und gähnten winzige Punktgähner. Hinter ihnen wippte ein Traumwal im flachen Wasser. Er war nicht groß, nur so groß wie ein Sofakissen, und auf seinem Rücken glitzerten Mondpunkte.

„Das Kissenboot fährt wieder!“, rief Pipo.

Die Traumtiere freuten sich leise. Traumtiere freuten sich immer leise, damit niemand aufwachte.

Das Kissenboot fuhr ans Ufer. Ein Traumtier nach dem anderen stieg ein. Das Traumlämmchen kuschelte sich neben Luna. Die Traumschildkröte legte ihr Köpfchen in einen kleinen Schal. Der Traumfuchs rollte sich an Finas Schweifspitze zusammen. Die Traumkäfer setzten sich auf Brunos Tatze, weil sie dort wie auf einem warmen Sofa saßen.

„Alle da?“, fragte Leni.

„Fast“, piepste Pipo.

Aus dem Schilf kam ein ganz kleines Geräusch.

Schnief.

Leni drehte sich um. Hinter einem Mondblatt saß ein winziges Traumhäschen. Es hatte Ohren, die noch größer aussahen als es selbst, und hielt ein Stück Sternenkeks in den Pfoten.

„Kommst du auch mit?“, fragte Luna freundlich.

Das Traumhäschen schüttelte den Kopf. „Ich habe Angst, dass ich auf dem Wasser nicht einschlafen kann.“

Luna setzte sich neben das Traumhäschen. „Ich kenne das. Manchmal ist etwas Neues ein bisschen komisch. Aber du musst nicht allein fahren.“

„Wirklich nicht?“, fragte das Traumhäschen.

„Nein“, sagte Leni. „Du kannst neben mir sitzen. Ich halte den Traumstern, und er leuchtet ganz ruhig.“

Bruno nickte. „Und ich passe auf das Boot auf.“

Fina lächelte. „Und ich passe auf die leisen Geräusche auf.“

Pipo stellte sich ganz stolz hin. „Und ich singe ein Schlaflied. Aber nur ein kleines.“

Das Traumhäschen überlegte. Dann hoppelte es vorsichtig ins Boot und setzte sich neben Leni.

„So“, sagte das Kissenboot. „Jetzt fahren wir.“

Die Schaukelwelle machte wieg, wieg, wieg. Das Segel fing den Silberwind. Die Glocke machte kling, ganz leise. Und das Kissenboot glitt über den Sternensee.

Pipo sang:

„Sternlein klein, Schlaf soll sein, Wasser wiegt dich sacht hinein. Mond schaut zu, Augen zu, Träume kommen nun im Nu.“

Seine Stimme war so weich, dass sogar der Silberwind langsamer wurde, um zuzuhören.

Das Traumlämmchen schlief zuerst ein. Dann die Traumkäfer. Dann die Traumschildkröte. Dann der kleine Traumfuchs. Das Traumhäschen lehnte sich an Leni und gähnte.

„Das Boot schaukelt schön“, murmelte es.

„Ja“, flüsterte Leni. „Ganz schön.“

Auf der anderen Seite des Sternensees standen kleine Schlafnester. Manche waren aus Wolkenwatte. Manche aus Mondgras. Manche aus weichen Blättern, die im Dunkeln glommen. Jedes Traumtier hatte sein eigenes Nest.

Leni und ihre Freunde halfen beim Aussteigen.

Luna deckte das Traumhäschen mit einem Blatt zu. Fina legte dem Traumfuchs ein Sternenkissen unter den Kopf. Pipo pustete einem Traumkäfer einen winzigen Sandkrümel vom Rücken. Bruno hob die Traumschildkröte so vorsichtig hoch, als wäre sie eine Seifenblase.

„Danke“, murmelten die Traumtiere.

„Gern“, sagte Leni.

Bald schliefen alle Traumtiere in ihren Nestern.

Der Sternensee war noch stiller als vorher. Aber jetzt war es keine traurige Stille. Es war eine gute Stille. Eine Stille, die sagte: Alles ist gut. Alle sind da. Alle dürfen schlafen.

Das Kissenboot wartete am Ufer. Es schaukelte sanft hin und her.

„Danke, Leni“, sagte es. „Danke, Luna. Danke, Fina. Danke, Pipo. Danke, Bruno.“

„Danke an deine Schaukelwelle“, sagte Leni.

Die Schaukelwelle machte ein kleines Plitsch vor Freude.

„Und danke an den Traumstern“, fügte Luna hinzu.

Der Traumstern leuchtete warm.

Bruno gähnte groß. Sein Gähnen war so rund und weich, dass ein paar Sterne am Himmel mitgähnten.

„Ich glaube“, sagte Bruno, „jetzt brauchen wir auch langsam unser Bett.“

„Oder unser Nest“, piepste Pipo.

„Oder unseren Bau“, sagte Fina.

„Oder unsere Kuscheldecke“, sagte Luna.

Leni lächelte. „Oder mein Bett.“

Das Kissenboot fuhr sie zurück zum ersten Ufer. Diesmal glitt es ganz sicher über das Wasser. Wieg. Wieg. Wieg. Leni hielt den Traumstern im Arm und schaute in den Himmel. Dort funkelte ein besonders heller Stern.

„Vielleicht ist das der Stern, der über den Sternensee wacht“, flüsterte sie.

„Bestimmt“, sagte Fina.

Als sie wieder am Ufer ankamen, verneigte sich das Kissenboot so gut, wie ein Kissenboot sich eben verneigen konnte.

„Wenn ihr einmal müde seid und nicht schlafen könnt“, sagte es, „dann denkt an mich. Ich schaukele eure Gedanken ganz sanft.“

„Das machen wir“, sagte Leni.

Der Traumstern begann wieder zu glitzern. Silberne Funken tanzten um Leni und ihre Freunde. Der Sternenpfad öffnete sich. Mondblumen nickten. Die Eule mit der Schlafmütze winkte vom Ast.

„Gute Nacht“, flüsterte sie.

„Gute Nacht“, flüsterten alle zurück.

Dann wurde der Weg ganz weich. Die Sterne wurden zu kleinen Punkten. Die Mondblumen wurden zu Schatten. Und plötzlich lag Leni wieder in ihrem Bett.

Luna saß auf dem Fensterbrett. Pipo flatterte draußen in der Luft. Fina stand im Garten und schüttelte leise ihren Schweif. Bruno winkte mit seiner großen Tatze.

„Schlaf gut, Leni“, sagte Luna.

„Träum schön“, piepste Pipo.

„Bis zur nächsten Nacht“, sagte Fina.

„Und vergiss nicht“, brummte Bruno, „wenn etwas schaukelt, kann es auch beruhigen.“

Leni kicherte leise. „Gute Nacht, ihr Lieben.“

Dann schloss Luna das Fenster ganz vorsichtig.

Im Zimmer war es still. Der Traumstern lag neben Leni auf dem Kissen. Er leuchtete nur noch ein kleines bisschen. Sein Licht war weich und golden.

Leni kuschelte sich in ihre Decke.

Sie dachte an den Sternensee. An das Kissenboot. An die kleine Schaukelwelle. An das Traumhäschen, das sich getraut hatte. Und an ihre Freunde, die immer zusammenhalfen.

Ganz langsam wurden Lenis Augen schwer.

In ihrem Herzen machte es:

Wieg. Wieg. Wieg.

Und irgendwo, weit draußen in der guten Nacht, fuhr ein kleines Kissenboot über einen stillen Sternensee und brachte die letzten Traumtiere nach Hause.

Leni lächelte im Schlaf.

Der Traumstern funkelte einmal. Dann wurde er ganz ruhig.

Gute Nacht, Leni. Gute Nacht, Luna. Gute Nacht, Fina. Gute Nacht, Pipo. Gute Nacht, Bruno. Gute Nacht, kleines Kissenboot.

Und gute Nacht, du schöner Sternensee.