Lenis Traumwelt
Leni sitzt mit Bruno und ihren Tierfreunden auf einer nächtlichen Sternenwiese, während aus Brunos letztem Schluckauf ein kleiner goldener Stern aufsteigt.

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Leni und Brunos Sternenschluckauf

An diesem Abend hüpfte Lenis Traumstern auf dem Nachttisch.

Nicht hoch. Nur ein winziges Stück. Tipp. Dann blieb er wieder liegen.

Leni hob den Kopf vom Kissen. Teddy ruhte in ihrem Arm, und durch das Fenster schaute ein runder, heller Mond herein.

Da hüpfte der Traumstern noch einmal.

Tipp-hicks!

Über ihm erschien ein goldener Funke. Er schwebte wie eine Seifenblase zur Zimmerdecke und zerplatzte dort ganz leise.

„Das klang wie ein Schluckauf“, flüsterte Leni.

Der Traumstern wurde warm. Sein Licht kringelte sich um Lenis Finger, und im nächsten Augenblick stand sie auf der Sternenwiese. Das Gras war weich wie eine Decke. Zwischen den Halmen glommen kleine Lichtpunkte, und über der Wiese spannte sich der dunkelblaue Himmel.

Luna, der weiße Sternenhase, wartete schon auf sie. Sein lila Schal flatterte sanft im Abendwind. Fina saß daneben und hatte ihren buschigen Fuchsschwanz ordentlich um die Pfoten gelegt. Pipo, der kleine Sternenvogel, wippte auf einem Zweig.

Nur Bruno stand ein Stück abseits.

Der Sternenbär hielt beide Tatzen vor seinen Bauch. Seine violette Schlafmütze war ihm bis über ein Ohr gerutscht.

„Alles gut, Bruno?“, fragte Leni.

Bruno wollte antworten. Doch da ruckte sein runder Bauch.

„Hicks!“

Ein goldener Sternenfunke sauste aus seiner Mütze. Er machte einen Bogen über die Wiese und landete in einem Büschel Mondklee.

Pipo flatterte überrascht hoch. Luna machte einen kleinen Hoppser. Fina blinzelte.

Bruno seufzte. „Seit ich meinen Abendkakao getrunken habe, hickse ich Sterne.“

„Tut es weh?“, fragte Leni.

Bruno schüttelte den Kopf. „Nein. Aber immer, wenn ich glaube, jetzt ist es vorbei ...“

„Hicks!“

Diesmal kullerten drei winzige Funken über seine Schulter. Einer blieb auf seiner Nase liegen.

Bruno schielte zu dem Lichtpunkt. Obwohl er sich große Mühe gab, musste er ein kleines bisschen lächeln.

„Wir helfen dir“, sagte Pipo sofort. „Ich kenne ein Schluckauf-Lied!“

Er setzte sich auf einen Stein, räusperte sich und sang: „Hicks nach links und hicks nach rechts, flieg davon, dann schläft sich's ...“

„Hicks!“, machte Bruno.

Der neue Funke stupste Pipo mitten im Lied am Schnabel. Pipos letzte Note kam ganz krumm heraus.

Fina legte den Kopf schief. „Vielleicht muss Bruno rückwärts zählen. Das lenkt den Schluckauf ab.“

„Zehn“, begann Bruno. „Neun. Acht. Sieben. Sechs ...“

Alle warteten.

„Fünf“, sagte Bruno vorsichtig. „Vier. Drei ...“

Erleichtert atmete er aus.

„Zwei“, sagte er.

„Hicks!“

Ein besonders runder Funke sprang aus seiner Schlafmütze und setzte sich genau auf Finas Schwanzspitze. Fina drehte sich einmal im Kreis, um ihn anzuschauen.

„Das Rückwärtszählen war es wohl nicht“, sagte sie und pustete den Funken behutsam ins Gras.

Luna holte eine lange, weiche Feder aus seinem kleinen Beutel. „Mein Opa sagt, bei Schluckauf hilft manchmal Kitzeln.“

„Nur ein ganz kleines bisschen“, bat Bruno.

Luna strich mit der Feder über Brunos Tatze.

Bruno kicherte. Luna kitzelte noch einmal. Jetzt lachte Bruno so tief und warm, dass das Mondkleebüschel zitterte.

Dann holte er Luft.

„Hicks-hicks!“

Zwei Funken schossen nacheinander in den Himmel.

Brunos Lächeln verschwand. Er setzte sich ins Gras und zog die Knie an seinen Bauch.

„Mein Schluckauf hört einfach nicht auf“, murmelte er. „Vielleicht mache ich etwas falsch.“

Leni setzte sich neben ihn. „Du machst gar nichts falsch.“

Bruno schaute sie an.

„Ein Schluckauf passiert einfach“, sagte Leni. „Wir haben viele Ideen ausprobiert. Aber vielleicht braucht dein Körper gerade keine neue Idee.“

„Was braucht er dann?“, fragte Luna.

Leni dachte nach. Das Gras strich leise an ihren Füßen vorbei. Über ihnen funkelten die Sterne. Keiner drängelte. Keiner rief: Leuchte schneller! Jeder Stern hatte seinen eigenen ruhigen Takt.

„Bruno“, fragte Leni, „was würde sich jetzt gut anfühlen?“

Der Sternenbär überlegte. „Ich möchte, dass ihr bei mir bleibt. Und ich möchte mich hinlegen. Aber ich habe Angst, dass ich mit meinem Ge, hicks, hickse niemanden schlafen lasse.“

„Dein Schluckauf darf bei uns sein“, sagte Luna sanft.

„Wir müssen ihn nicht wegjagen“, ergänzte Fina.

Pipo landete im Gras. „Ich kann zwischen den Hicksern singen. Ganz leise.“

Gemeinsam breiteten sie Brunos große violette Sternendecke aus. Bruno legte sich auf den Rücken. Leni kuschelte sich an seine linke Seite, Luna an die rechte. Fina rollte sich bei seinen Füßen zusammen. Pipo nahm auf Brunos Schlafmütze Platz.

Eine Weile geschah nichts.

Dann hob sich Brunos Bauch.

„Hicks!“

Ein goldener Funke stieg empor.

Diesmal sprang niemand auf. Niemand zählte. Niemand kitzelte. Alle sahen dem Funken nach, bis er zwischen den Sternen kaum noch zu erkennen war.

„Da fliegt er“, flüsterte Luna.

Bruno atmete ein. Die Luft strömte durch seine Nase hinein. Sein Bauch wurde rund wie ein kleiner Hügel.

Dann atmete er langsam aus. Der Hügel wurde wieder flach.

Leni machte mit. Einatmen. Ausatmen.

Luna machte mit. Fina machte mit. Sogar Pipos winzige Brust hob und senkte sich ganz ruhig.

„Hicks“, machte Bruno wieder.

Der Funke war diesmal nur so groß wie ein Marienkäfer.

„Hallo, kleiner Hickser“, sagte Leni.

Bruno musste schmunzeln. „Hallo und auf Wiedersehen.“

Pipo sang eine einzige, weiche Note. Sie schwebte dem Funken hinterher, ohne ihn einzuholen.

Bruno spürte Lenis warme Hand auf seiner Tatze. Er spürte Lunas weiches Fell an seinem Arm. An seinen Füßen lag Fina wie ein kleiner, warmer Ofen. Auf seiner Mütze wog Pipo sich sacht hin und her.

„Es ist gar nicht mehr schlimm, wenn der nächste kommt“, sagte Bruno.

„Vielleicht kommt er“, antwortete Leni. „Vielleicht auch nicht. Wir warten einfach zusammen.“

Sie lauschten.

Im Gras zirpte eine Nachtgrille. Weit oben zog eine Wolke am Mond vorbei. Das Licht wurde für einen Moment milchig und dann wieder klar.

Brunos Bauch hob sich.

Alle sahen hin.

Doch es war nur ein tiefer Atemzug.

Bruno schloss die Augen.

Da kam noch ein letzter Hickser.

„Hicks.“

Er war so leise, dass Pipo ihn beinahe überhörte. Ein winziger goldener Stern stieg aus Brunos Mütze. Er flog nicht davon. Er blieb direkt über den Freunden in der Luft hängen und leuchtete warm auf ihre Gesichter.

„Der möchte wohl bei uns schlafen“, flüsterte Fina.

Der kleine Stern sank herab und setzte sich auf den Rand der Decke. Dort glomm er wie ein Nachtlicht.

Bruno wartete noch einen Moment. Dann noch einen.

Kein neuer Hickser kam.

„Ist er weg?“, fragte Luna.

Bruno öffnete ein Auge. „Ich glaube ja.“

„Juhu!“, wollte Pipo rufen. Doch er erinnerte sich an die stille Wiese und flüsterte stattdessen: „Juhu.“

Bruno lächelte. „Danke, dass ihr meinen Schluckauf vertrieben habt.“

Leni schüttelte den Kopf. „Wir haben ihn gar nicht vertrieben.“

„Wir sind nur bei dir geblieben“, sagte Luna.

„Und dein Körper hat seinen Takt selbst wiedergefunden“, sagte Fina.

Bruno dachte darüber nach. Dann zog er die Sternendecke ein bisschen höher, sodass alle darunter Platz hatten.

„Dann danke, dass ihr gewartet habt“, sagte er.

Pipo kuschelte seinen Kopf unter einen Flügel. Fina legte die Nase auf ihre Pfoten. Luna rückte näher an Leni heran. Der winzige Stern am Deckenrand leuchtete schwächer und schwächer.

Bruno atmete tief ein.

Und langsam wieder aus.

Sein Atem rauschte so ruhig wie Wind in weichen Baumkronen.

Leni spürte, wie auch ihre Augen schwer wurden. Die Sternenwiese verschwamm zu einem sanften goldenen Schimmer.

Im nächsten Moment lag sie wieder in ihrem Bett. Teddy ruhte in ihrem Arm. Der Traumstern lag still auf dem Nachttisch.

Leni lauschte noch einmal in die Nacht.

Nichts hüpfte. Nichts hickste.

Nur irgendwo, ganz weit entfernt, schien ein kleiner Stern besonders warm zu funkeln.

Leni zog die Decke bis ans Kinn.

„Gute Nacht, Bruno“, murmelte sie. „Gute Nacht, kleiner Hickser.“

Dann atmete sie langsam ein, langsam aus und schlief in ihrem eigenen, ruhigen Takt ein.

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