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Das Glitzerpicknick im Mondgarten
An einem stillen Abend lag Leni schon fast ganz gemütlich in ihrer weichen Decke. Draußen war der Himmel dunkelblau, und die ersten Sterne blinkten wie kleine Lichter über der Welt.
Neben Leni kuschelte Luna, der kleine Sternenhase. Fina, der kleine Fuchs, hatte seine Nase unter den Schwanz gesteckt. Pipo, der lustige Sternenvogel, saß auf einem Kissen und machte ganz leise: „Piep… piep… gute Nacht.“ Und Bruno, der freundliche Bär, hielt seinen Honigtopf im Arm, obwohl er schon längst leer war.
Da klopfte es plötzlich ganz leise.
Tock. Tock. Tock.
Leni hob den Kopf. „Wer ist da?“
Vor dem Fenster schwebte ein winziges Glühwürmchen. Es leuchtete golden und machte einen kleinen Kreis in die Luft.
„Kommt mit“, flüsterte es. „Der Mondgarten braucht euch.“
Luna spitzte die Ohren. „Der Mondgarten?“
Fina blinzelte. „Ist der weit weg?“
Bruno gähnte freundlich. „Gibt es dort vielleicht etwas zu essen?“
Pipo flatterte aufgeregt mit den Flügeln. „Picknick! Picknick! Pipo liebt Picknick!“
Leni lächelte. „Dann gehen wir zusammen.“
Leise, ganz leise, kletterten die Freunde aus dem Bett. Leni zog ihre kuscheligen Socken an. Luna tappte weich wie ein Schatten. Fina schlich flink hinterher. Pipo hüpfte von Kissen zu Kissen, und Bruno ging ganz langsam, damit niemand wach wurde.
Das Glühwürmchen führte sie durch den Garten, vorbei an schlafenden Blumen, vorbei an einem runden Stein und vorbei an einem kleinen Busch, in dem ein Igel leise schnarchte.
Dann blieb das Glühwürmchen vor einem silbernen Tor stehen.
Das Tor war nicht groß. Es war genau so hoch, dass Leni hindurchgehen konnte. Es glänzte im Mondlicht und sah aus, als wäre es aus Sternenstaub gemacht.
„Nur mit einem freundlichen Herzen öffnet es sich“, sagte das Glühwürmchen.
Leni legte ihre kleine Hand an das Tor. „Wir kommen, um zu helfen.“
Da machte das Tor ganz sanft:
Kling.
Und es öffnete sich.
Dahinter lag der Mondgarten.
Oh, wie schön er war.
Die Blumen leuchteten in Silber, Blau und Rosa. Kleine Gräser funkelten wie Glitzerfäden. In einem Teich schwamm der Mond selbst als runder, heller Spiegel. Überall flogen Glühwürmchen, aber sie flogen langsam und ein bisschen traurig.
„Warum seid ihr traurig?“, fragte Leni.
Ein Glühwürmchen setzte sich auf eine Glockenblume. „Früher haben wir jeden Abend zusammen gesungen. Dann haben die Blumen geleuchtet, der Teich hat geglitzert, und alle Tiere hatten süße Träume.“
„Und jetzt?“, fragte Fina.
„Jetzt ist es still“, sagte das Glühwürmchen. „Niemand singt mehr. Alle haben vergessen, wie gemütlich es ist, zusammen zu sein.“
Pipo legte den Kopf schief. „Vergessen? Oh nein! Singen darf man nicht vergessen.“
Bruno nickte ernst. „Und Picknick auch nicht.“
Leni klatschte leise in die Hände. „Dann machen wir ein Glitzerpicknick im Mondgarten.“
Die Glühwürmchen flogen ein kleines bisschen heller.
„Ein Picknick?“, fragten sie.
„Ja“, sagte Leni. „Mit Decken, Liedern und etwas Leckerem.“
Luna lächelte. „Und mit Ruhe.“
Fina wedelte mit dem Schwanz. „Und mit Spielen.“
Pipo rief: „Und mit Piep-piep-Musik!“
Bruno hob den leeren Honigtopf. „Und vielleicht findet sich ja doch noch ein bisschen Honig.“
Alle lachten leise.
Zuerst suchten sie einen schönen Platz. Unter einem großen Mondbaum war das Gras besonders weich. Die Blätter des Baumes waren rund und silbern. Wenn der Wind sie bewegte, klangen sie wie kleine Glöckchen.
Leni breitete eine weiche Decke aus. Luna strich sie mit den Pfoten glatt. Fina sammelte kleine Blüten, die wie Sterne aussahen. Pipo brachte winzige Mondbeeren, die blau schimmerten. Bruno fand einen Korb unter einer großen Blume.
Im Korb lagen kleine Nachtkekse, Sternenbrot und ein Töpfchen Mondhonig.
Bruno machte große Augen. „Honig!“
„Teilen“, sagte Leni freundlich.
Bruno nickte sofort. „Natürlich. Bruno teilt.“
Also setzten sich alle auf die Decke. Leni bekam ein kleines Stück Sternenbrot. Luna schleckte ein Tröpfchen Mondmilch. Fina knabberte an einem Nachtkeks. Pipo pickte vorsichtig an einer Mondbeere. Bruno tauchte seine Tatze ganz vorsichtig in den Mondhonig.
„Mmmh“, brummte er. „Schmeckt wie Schlaf und Sonnenschein zusammen.“
Die Glühwürmchen kamen näher. Erst eins. Dann zwei. Dann zehn. Dann ganz viele.
„Dürfen wir auch kommen?“, fragten sie.
„Natürlich“, sagte Leni. „Ein Picknick ist für alle da.“
Da setzten sich die Glühwürmchen rund um die Decke. Einige schaukelten auf Grashalmen. Andere kuschelten sich in Blütenkelche. Ein ganz kleines Glühwürmchen setzte sich auf Lenas Schulter und leuchtete warm.
Aber noch immer war es sehr still.
„Wir brauchen ein Lied“, sagte Luna.
Pipo hüpfte auf einen Stein. „Pipo kann anfangen!“
Er atmete tief ein und sang ganz leise:
„Piep, piep, kleiner Stern, schlaf gut, wir haben dich gern.“
Fina machte mit:
„Rasch, rasch, leise Pfoten, träumen heut von bunten Booten.“
Luna summte eine weiche Melodie dazu:
„Leise, leise, Mond so rund, mach die kleinen Augen gesund.“
Bruno brummte tief und gemütlich:
„Brumm, brumm, Decke warm, alle schlafen Arm in Arm.“
Dann sahen alle zu Leni.
Leni lächelte und sang mit kleiner, sanfter Stimme:
„Gute Nacht, du schöne Welt, jeder Stern am Himmel hält. Wacht ganz leise, gibt gut acht, bis der Morgen wieder lacht.“
Da geschah etwas Wunderbares.
Eine Blume öffnete ihre Blätter.
Dann noch eine.
Und noch eine.
Plötzlich leuchtete der ganze Mondgarten heller. Nicht grell, sondern weich. So weich wie eine Lampe neben dem Bett. Der Teich begann zu glitzern, und die Blätter des Mondbaums klingelten leise im Wind.
Die Glühwürmchen strahlten.
„Wir erinnern uns!“, rief eines.
„Wir können noch singen!“
„Wir können noch zusammen sein!“
Und dann sangen alle mit. Nicht laut. Nicht wild. Sondern ruhig und schön. Genau richtig für die Nacht.
Pipo wippte mit dem Kopf. Fina drehte sich einmal im Kreis. Luna legte sich neben Leni und atmete ganz ruhig. Bruno klopfte ganz sanft mit der Tatze auf die Decke, wie eine kleine Trommel.
Doch plötzlich hörten sie ein leises Schluchzen.
„Hick… hick…“
Leni sah sich um. „Wer weint denn da?“
Hinter einer großen Silberblume saß eine kleine Schnecke. Ihr Häuschen war rund und perlmuttschimmernd. Aber ihre Fühler hingen traurig nach unten.
„Warum bist du traurig?“, fragte Leni sanft.
Die Schnecke schniefte. „Ich heiße Mimi. Ich wollte auch zum Picknick kommen. Aber ich bin so langsam. Als ich angekommen bin, dachte ich, es wäre bestimmt schon vorbei.“
Bruno rückte sofort ein Stück zur Seite. „Hier ist noch Platz.“
Fina holte ein kleines Blatt als Teller. „Hier, ein Nachtkeks für dich.“
Pipo flatterte aufgeregt. „Picknick nicht vorbei! Picknick jetzt!“
Luna stupste Mimi vorsichtig mit der Nase. „Langsam ist auch schön.“
Leni nickte. „Jeder darf in seinem Tempo kommen.“
Mimi lächelte ein kleines Schneckenlächeln. Dann kroch sie auf die Decke und bekam ein winziges Krümelchen Sternenbrot.
„Danke“, flüsterte sie.
Der Mondgarten wurde noch heller.
„Seht ihr?“, sagte das große Glühwürmchen. „Wenn niemand vergessen wird, leuchtet der Garten am schönsten.“
Leni schaute in den Teich. Darin spiegelten sich alle Freunde: Luna mit den sanften Augen, Fina mit dem buschigen Schwanz, Pipo mit den bunten Federn, Bruno mit seiner Honignase, Mimi mit ihrem schimmernden Häuschen und Leni mittendrin.
„Wir sind zusammen“, sagte Leni.
„Zusammen“, schnurrte Luna.
„Zusammen“, sagte Fina.
„Zusammen-piep!“, rief Pipo.
„Zusammen ist gemütlich“, brummte Bruno.
Nun spielten sie noch ein ganz ruhiges Spiel. Es hieß: „Wer findet den leisesten Klang?“
Fina hörte das Rascheln eines Blattes.
Luna hörte das Summen eines Glühwürmchens.
Pipo hörte den Teich plitschern.
Bruno hörte seinen eigenen Bauch brummen.
Alle lachten leise.
Leni hörte etwas ganz Besonderes.
„Ich höre den Garten atmen“, sagte sie.
Alle wurden still.
Und wirklich: Der Mondgarten machte ganz sanft:
Huuuuh.
Und wieder:
Haaaah.
Als würde die ganze Nacht ein- und ausatmen.
Das machte müde. Sehr müde.
Pipo gähnte zuerst. „Piiiep…“
Dann gähnte Fina.
Dann Luna.
Dann Bruno, so groß, dass ein Glühwürmchen kurz in seinem Maullicht verschwand und schnell wieder herausflog.
„Entschuldigung“, brummte Bruno.
Das Glühwürmchen kicherte. „Schon gut.“
Mimi die Schnecke zog ihre Fühler ein bisschen ein. „Ich glaube, ich träume gleich.“
Das große Glühwürmchen flog zu Leni. „Danke. Ihr habt dem Mondgarten das Zusammensein zurückgebracht.“
Leni streichelte vorsichtig eine leuchtende Blume. „Wir kommen wieder.“
„Jeden Abend müsst ihr nicht kommen“, sagte das Glühwürmchen. „Aber wenn ihr an uns denkt und ein kleines Lied singt, dann leuchten wir.“
Luna stand langsam auf. „Es ist Zeit nach Hause zu gehen.“
Fina sammelte die Krümel ein, damit der Garten sauber blieb. Pipo sagte jeder Blume gute Nacht. Bruno nahm noch einen winzigen Tropfen Mondhonig auf die Tatze, aber nur einen ganz kleinen.
Dann gingen alle zurück zum silbernen Tor.
Mimi winkte ihnen nach. „Gute Nacht, Freunde.“
„Gute Nacht, Mimi“, sagte Leni.
Das Tor öffnete sich wieder mit einem sanften:
Kling.
Draußen wartete der Garten von Zuhause. Alles war still. Der Igel schnarchte noch immer im Busch. Der Mond stand hoch am Himmel. Und die Sterne blinkten freundlich.
Leise schlichen die Freunde zurück ins Zimmer.
Leni kuschelte sich in ihr Bett. Luna rollte sich an ihre Seite. Fina legte den Kopf auf die Pfoten. Pipo steckte den Schnabel unter den Flügel. Bruno stellte den Honigtopf neben das Bett und murmelte: „Zusammen ist gemütlich.“
Leni lächelte.
Dann sang sie ganz leise noch einmal:
„Gute Nacht, du schöne Welt, jeder Stern am Himmel hält. Wacht ganz leise, gibt gut acht, bis der Morgen wieder lacht.“
Und irgendwo, weit hinten im geheimen Mondgarten, begannen die Blumen zu leuchten.
Eine nach der anderen.
Ganz sanft.
Ganz still.
Ganz wunderschön.
Leni machte die Augen zu.
Luna atmete ruhig.
Fina atmete ruhig.
Pipo träumte von Mondbeeren.
Bruno träumte von Honig.
Und der Mondgarten träumte von Freunden, Liedern und einem Picknick unter silbernen Blättern.
Gute Nacht, Leni.
Gute Nacht, Luna.
Gute Nacht, Fina.
Gute Nacht, Pipo.
Gute Nacht, Bruno.
Gute Nacht, du schöne, glitzernde Welt.